Workshop: Integration Nein danke! | Konzeptkunst | AkBild.

Mariahilferstraße Wien

Language Strategies, Marika Schmiedt & collaborators, Gruppenausstellung, Österreichisches Kulturforum London

Yvonne Strujić | ORF Volksgruppenredaktion
Video: ORF 2 Servus | Szia | Zdravo | Del tuha 11.2.2018
Audio: Roma sam 12.2.2018

[a] Rundgang 2018: Ausstellung und Gastvortrag
25. Januar, 17:00 – 20:00
Akademie der bildenden Künste Wien
Atelierhaus, 1. OG, Lehargasse 8
1060 Wien

Konzeptuelle Kunst (PCAP) | Marina Grzinic
Eröffnung der Ausstellung: Plakat-Serie von Marika Schmiedt und den Studierenden der Akademie der bildenden Künste Wien. Die Plakat-Serie wurde im Rahmen des Workshops „Integration Nein danke!“ produziert. Zentrale Aufgabe der Ausstellung ist die Auseinandersetzung mit dem Spannungsverhältnis von Kunst- und Kultur und gesellschaftspolitischen Entwicklungen.
www.akbild.ac.at

Vortrag: Berthold Molden (Wien)
Berthold Molden, geboren in Wien, 2005 Dissertation über aktuelle Geschichtsdebatten in Guatemala. Seither lehrt er Globalgeschichte an der Universität Wien. 2005-2010 Leitung eines Oral History-Forschungsprojekts über das soziale Gedächtnis des Kalten Krieges auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. 2010-2015 Gastprofessuren an der University of Chicago, der University of New Orleans, der Sorbonne und der Université Jean Jaurès in Toulouse. Seit 2015 arbeitet Molden an der Kollektivbiographie einer jüdisch-kommunistischen Familie im 20. Jahrhundert. Für das „Gedenkjahr 2018“ bereitet er gemeinsam mit KünstlerInnen und KulturwissenschaftlerInnen eine Reihe historischer Interventionen rund um den Mexikoplatz in Wien vor.
www.bertholdmolden.net


Projektaufruf | zusammen:wachsen – Kunst und Integration


INTEGRATION NEIN DANKE!
Perspektiven & Widerstände

Ein Workshop von Marika Schmiedt

Im Fokus steht eine künstlerisch-politische Intervention, in Zusammenarbeit mit der Akademie der bildenden Künste Wien, Fachbereich Konzeptuelle Kunst (Post-Conceptual Art Practices). Zentrale Aufgabe des Projektes ist die Auseinandersetzung mit dem Spannungsverhältnis von Kunst- und Kultur und gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Antiromaismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sind im Universitätsbetrieb keine Seltenheit. Viele Studierende hegen und pflegen ähnlich wie die Allgemeinbevölkerung ausgeprägte soziale Vorurteile. Geplant sind Arbeitssitzungen mit den Studierenden des Fachbereiches Konzeptkunst | AkBild.
Die Arbeitssitzungen, jeweils vier Stunden, beginnen am 10. Oktober 2017, dauern bis 16. Jänner 2018 und werden zweimal monatlich, im Atelierhaus / Atelier Süd, Lehárgasse 6, 1060 Wien stattfinden. Die Ergebnisse werden beim jährlichen Rundgang der Akademie der bildenden Künste, am 25. Jänner 2018, in einer Plakatausstellung präsentiert.
Die Intervention liegt auf der visuellen Kunst, dem Plakat, das sich als reflektierende „Integration“ verhält. Den Abschluss und eine Zusammenfassung des Projektes, bildet die Präsentation einer Broschüre, im April 2018.

Politisierung(en) von Kunst
Im Workshop werden konkrete Handlungsmöglichkeiten erarbeitet, wie künstlerische Interventionen, soziale und politische Prozesse in Gang setzen und neue Perspektiven eröffnen können. Entscheidend dabei ist, dass es einen wechselseitigen Austausch gibt, der historische Zusammenhänge, Geschichtsbewusstsein, Kenntnisse über Kontinuitäten, sowie deren Kontext mit global-politischen Ereignissen sichtbar macht. Die einzelnen Arbeitssitzungen werden prozessorientiert entwickelt. In der ersten Phase wird eine umfassende Auseinandersetzung und Annäherung an das Thema versucht. Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen sozialer Ungleichheit und Rassismus. In welchem Zusammenhang steht Rassismus mit politischen, ökonomischen und weiteren gesellschaftlichen Ungleichheiten. Die vorgestellten Ansätze fragen nach dem Stellenwert kolonialer Erfahrungen und Diskurse für das Verständnis aktueller Phänomene, wie z. B. systemische Deprivilegierung, rassistische Migrationspolitiken und aktuelle Praktiken der Kriminalisierung. Zusätzlich wird eine Vortrags- und Filmreihe stattfinden. Vortragende aus der einschlägigen Praxis und eine präzise mediale Analyse werden die Arbeitssitzungen ergänzen. Zwischen den einzelnen Arbeitsphasen wird an konkreten Ergebnissen kollaborativ und individuell gearbeitet. In der letzten Arbeitsphase werden Inhalt und Form der Ausstellung- und Publikation entwickelt und umgesetzt.


Termine: 10.10.2017: Marika Schmiedt
Projektvorstellung- und Organisation, Filmvorführung und Diskussion
Gelem Gelem – Wir gehen einen langen Weg
Monika Hielscher, Matthias Heeder | D | 1991 | Dokumentarfilm | 85 min.
Der Film “Gelem Gelem – Wir gehen einen langen Weg“ dokumentiert die Situation und den Widerstand von ca. 1500 Rrom_nja, die Anfang der 1990er Jahre von Deutschland nach Süd-Ost Europa abgeschoben werden sollten. Vor dem Hintergrund der deutschen Wiedervereinigung und der Euphorie vieler Bundesbürger_innen kämpften Rrom_nja-Familien unterschiedlicher Gruppen gemeinsam um ein Niederlassungsrecht in der Bundesrepublik. Mit Blockaden an Grenzübergängen, Hungerstreiks, einem Marsch quer durch Deutschland und der Besetzung des Kölner Doms machten Rrom_nja-Familien auf ihre Situation aufmerksam und traten für ein dauerhaftes Bleiberecht und ein würdiges Leben ein. Die Filmaufnahmen entstanden zwischen Herbst 1989 und Frühjahr 1991.
Nach einer Reihe von gebrochenen Versprechungen, Abmachungen und Vertröstung der deutschen Regierung nahm die Widerstandsbewegung kein erfolgreiches Ende: Die meisten der protestierenden Menschen wurden abgeschoben. Die Spuren der Rromn_ja, die in der Dokumentation begleitet werden, verlieren sich in den Elendsvierteln von Süd-Ost-Europa.

23.10.2017: Marika Schmiedt
Projektbesprechung- und Organisation, Filmvorführung und Diskussion
Die Geschichte des Dritten Lagers in Österreich
Dokumentation von Gerhard Jelinek und Walter Seledec | A | 2000/2016 | 45 min.
Das Dritte Lager bezeichnet in Österreich die politischen Bewegungen der deutschnationalen und nationalliberalen Wählerschaft. Die Wurzeln des Dritten Lagers reichen in die Zeit der k.u.k.-Donaumonarchie zurück, wo alle Bewegungen, von deutschvölkischen bis zu deutschfreisinnigen, die Vereinigung aller deutschsprachigen Gebiete in einem Großdeutschen Reiche forderten. Das kaiserliche Österreich, in dem die Deutschen zwar die politische und kulturelle Führung innehatten, aber nicht die absolute Mehrheit der Bevölkerung stellten, sahen die Deutschnationalen als Bedrohung des Deutschtums an. 1882 hatten Karl Lueger, Viktor Adler und Georg Ritter von Schönerer im Cafe Griensteidl das „Linzer Programm“ verfasst, das als Alldeutsches Manifest die ideologische Basis der Deutschnationalen in Österreich wurde. Die drei Männer symbolisieren die unterschiedlichen politischen Richtungen, die Österreich seit mehr als einem Jahrhundert prägen: Christlichsoziale, Sozialdemokraten und Deutschnationale. Grundlage des Dritten Lagers ist eine Richtung politischen Denkens, die davon ausgeht, dass Österreich nach dem Verlust der nicht-deutschsprachigen Gebiete nach dem Ersten Weltkrieg keine Existenzberechtigung als eigener Staat gegenüber dem Deutschen Reich hätte. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden bei der ersten Nationalratswahl 1945 rund 700.000 ehemalige österreichische NSDAP-Mitglieder und anders Belastete ausgeschlossen. Als diese zur nächsten Wahl 1949 wieder zugelassen wurden, wurde der „Verband der Unabhängigen“ (VdU) gegründet, der bei der Wahl sehr erfolgreich war. Der Begriff „Drittes Lager“ wurde von da an für die Gruppe der deutschnationalen und nationalliberalen Wähler verwendet, analog zu den Lagern der konservativen ÖVP und der sozialistischen SPÖ. Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages 1955 erfolgte dann die Gründung der Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) als Nachfolgeorganisation des VdU.

6.11.2017: Gastvortrag Sebastian Bubner
Rassismus im Schulsystem zur Sprache bringen – Aspekte und emanzipatorische Strategien
In seinem Vortrag beschäftigt sich Sebastian Bubner mit den verschiedenen Arten und Weisen, institutionell, individuell, diskursiv – in welchen sich Rassismus im deutschen Schulsystem täglich stützt und hält. Als Sekundarschullehrer und Teamleiter des sogenannten Willkommensklassenbereichs (für Schüler_innen mit geringen Deutschkenntnissen) an einer Schule in Berlin hat Bubner Einblicke in die „Feinmechanik“ der Rassismusproduktion und ist gefordert, auf diesen Zustand zu reagieren. Anhand einiger Fallbeispiele werden die Bausteine des schulischen Rassismus erläutert und es wird dazu eingeladen, selbst über mögliche Interventionen und Umgehensweisen mit diesen Situationen und systemischen Voraussetzungen nachzudenken.
Sebastian Bubner geb. 1968, ist Künstler, Lehrer und schreibt zu antidiskriminatorischen Themen.
www.skipgan-blahstift-spitzer.blogspot.co.at

20.11.2017: Gastvortrag Marissa Lôbo
Der Vortrag wird sich mit Praktiken im künstlerischen und kulturellen Feld auseinandersetzen und andere Narrative erzeugen, die ungehorsam der folkloristischen Kultur, der Integration und rebellisch, gegenüber Anpassung und „Weißmachung“ sind.
Marissa Lôbo, koordinierte viele Jahre den Kulturbereich von maiz, wo sie Projekte entwickelte, die programmatisch Politik, Bildung und Kunst verbinden. Co-Kuratorin des Projekts „Bodies of Knowledge“ und Co-Leiterin von „kültüř gemma!“. 2008, Studium für postkonzeptuelle Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien.
Seit 2014 Doktoratsstudentin der Philosophie.

4.12.2017: Marika Schmiedt
Brainstorming, Projektorganisation und Entwicklung der Ausstellung.

9.1.2018: Marika Schmiedt
Projektbesprechung- und Organisation, Layout Plakate.

16.1.2018: Marika Schmiedt
Projektbesprechung- und Organisation, Entwicklung der Broschüre.