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DIE KUNST IST DIE LUPE DER VERHÄLTNISSE

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In Linz wurde die Ausstellung von Marika Schmiedt angegriffen

Von Lisa Boylos

Marika Schmiedt macht nicht nur Kunst gegen das historische, sondern auch gegen das alltägliche Vergessen. Die Rechtsneigung Europas ist ihr Thema – notgedrungen. In Linz wurde ihre Ausstellung «Die Gedanken sind frei», die wir im Augustin Nummer 341 angekündigt hatten, tätlich angegriffen.

Patriotismus macht gaga im Kopf – nicht nur sowieso, sondern speziell wenn es darum geht, dass im «eigenen Land» etwas nicht mehr in Ordnung ist. Wir erinnern uns etwa an die Kränkung, die jegliche Kritik an der Blödheit Österreichs, sich eine rechte Regierung zu wählen, in manchen Köpfen hervorgerufen hat. Als wäre es schlimmer, von den EU-Nachbar_innen beleidigt zu werden, indem sie Schwarz/Blau nicht fassen konnten, als von den «eigenen» Landesmitbewohner_innen, indem sie für Schwarz/Blau gesorgt hatten.

Ähnlich hat aktuell Ungarn zu leiden. Wie in Österreich in schwarz-blauen Zeiten gibt es auch in Ungarn in Zeiten von Fidesz und Jobbik eine mobile Masse, die Fidesz und Jobbik verachtet; und die «Magyar Gárda» und den Rassismus und die Neonazis und die maßlos gewordenen Gewalttaten und den Geschichtsrevisionismus. Aber wie hier gibt es auch dort eine patriotische Menge, die auf Kommando beleidigt ist, wenn Ungarn kritisiert wird. Wem das Herz in die Hose rutscht beim Anblick der täglichen rassistischen Übergriffe, die in Ungarn stattfinden, die ist – erraten – selbst eine Rassistin; eine Ungarn-Diffamiererin; eine, die staatliche Integrität nicht anerkennt; eine, um genau zu sein, die sich noch fast hundert Jahre danach über Trianon freut! «Eine Jüdin», wie man in rechter ungarischer Blog-Sprache zu sagen pflegt (siehe etwa das rechtsradikale Forum http://www.kuruc.info), was so viel bedeutet wie «eine Kommunistin» (oder wahlweise auch «eine Kapitalistin»), «eine Verräterin» am Volk, an der Nation, an Großungarn jedenfalls.

Verhältnisse unterm Vergrößerungsglas

Am 14. April wurde in der Linzer Innenstadt, beim Altstadtfest «Ein Dorf in der Stadt», die Ausstellung der Wiener Künstlerin und Aktivistin Marika Schmiedt eröffnet. Der Titel «Die Gedanken sind frei» ist eine ironische Bezugnahme auf die Meinungsfreiheit – im Jahr 68 nach der Befreiung ist es durchaus wieder «en vogue» und straffrei möglich, rechte, rassistische Gedanken in Tat umzusetzen.

Initiiert von der Linzer Stadtwerkstatt, in Zusammenarbeit mit der kleinen Galerie Hofkabinett konnten an einem Bauzaun einunddreißig Plakate montiert werden, die Schmiedt zum Thema aktueller rassistischer Verfolgungen von Rom_nija in Europa gestaltet hat. Darin geht es um Beleidigungen in der deutschsprachigen Lebensmittelbezeichnung («Z-Schnitzel»), um Abschiebungen aus Frankreich, untragbare Lebensbedingungen in peripheren Wohngebieten in Serbien, um Neonaziübergriffe in Ungarn und die fehlende Aufarbeitung des Porajmos, des Völkermordes durch die Nazis. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán (Fidesz) wird ob seiner eigenen verleugneten Herkunft lächerlich gemacht, «Roma Inclusion = Illusion», steht auf einem Plakat, auf einem anderen ist unter der Aufschrift «Retro» ein Häkelspitzendeckerl mit fein ausgearbeitetem Hakenkreuz zu sehen. Marika Schmiedt kommentiert, was los ist in Europa, und sie ist dabei nicht zimperlich mit historischen Vergleichen. «Meine Kunst ist nur ein Spiegel», sagt sie, «die Verhältnisse gibt es auch ohne sie.» Aber das ist zu klein gedacht. Ihre künstlerische Arbeit ist nicht Spiegel, sondern Vergrößerungsglas der Zustände. Sie zoomt hinein in den Wahnsinn, der tagtägliche Politik ist, weiterzappen unmöglich.

Post für Viktor

Nun zum Plakatekrimi: Am Vormittag des 14. April ging Marika Schmiedt gemeinsam mit Olivia Schütz (Stadtwerkstatt) auf den Hofberg, um die vorbereitete Ausstellung zu begutachten. Während Schmiedt Fotos von ihren ausgestellten Plakaten machte, kam eine Frau wütend angebraust, riss ein Plakat herunter und begann Marika Schmiedt zu beschimpfen: «Als Rassistin hat sie mich beschimpft, sie zeigt mich an, ich verunglimpfe das ungarische Volk und blablabla.» Soll passieren. Interessant wurde es erst, als zweierlei geschah: Die schimpfende Frau stellte sich als Linzer Stadtführerin heraus. Und innerhalb von achtundvierzig Stunden nach der Vernissage, die der Kulturdirektor der Stadt Linz, Julius Stieber, mit einer Rede geehrt hatte, waren erst vier Plakate weg, dann zehn, dann alle einunddreißig. «Wir sind von Anfang an davon ausgegangen, dass das ein schneller Verfall sein wird», kommentiert Kurt Holzinger, der die Ausstellung von der Stadtwerkstatt aus initiiert hatte. «Rassistische Schmierereien, ein, zwei zerrissene Plakate, ja. Aber dann haben wir gehört, dass die Polizei selbst alle Plakate abgenommen haben soll.» Das Rätsel wurde also immer verworrener.

Ein erster Anruf bei der Polizei ergab erwartungsgemäß nichts, der zuständige Beamte sei nicht da, man wisse von nichts. Die Linzer Stadtführerin – von der sich die «Interessensgemeinschaft der Fremdenführer OÖ» in einem Schreiben an die Stadtwerkstatt bereits distanziert hat – drohte mit Anzeige, vertreten durch die Wiener-ungarische Anwältin Eva Maria Barki, die in ungarninteressierten Kreisen für ihre Landesverteidigungshaltung bekannt ist. (Kürzlich erst geisterte ihr Name durch die Medien, als sie gegen den ORF bezüglich der von Paul Lendvai gestalteten Sendung «Nationale Träume – Ungarns Abschied von Europa?» Beschwerde einlegen wollte). Die Drohgebärde der Stadtführerin auf dem Blog von Marika Schmiedt liest sich wie folgt: «Ihre «künstlerischen» Machwerke wurden alle fotografiert und an das Büro des ungarischen Ministerpräsidenten sowie an eine Rechtsanwaltskanzlei in Wien z. Hd. Frau Dr. Eva Maria Barki gesandt. Diese wird die Staatsanwaltschaft einschalten.»
Über die Vorstellung, dass Viktor Orbán in der Post Fotos von Marika Schmiedts Plakaten findet, lässt sich noch schmunzeln. So einen direkten Draht hätte die Künstlerin selbst gar nicht herstellen können. Aber die Möglichkeit, sich mit einer Anzeige abmühen zu müssen, ist unangenehm: «Das würde mich insofern stressen, weil ich ja überhaupt kein Geld habe. Und es würde meinen Geist stressen, dass ich mich damit auch herumschlagen muss.»

Polizei im Auftrag des Antirassismus

Wie die Story weiterging, ist schnell erzählt: Die Stadtwerkstatt bekam Auskunft von der Polizei, dass die Plakate tatsächlich am 16.4. behördlich entfernt worden waren. Der diensthabende Beamte behauptete, er habe Marika Schmiedt angerufen und gefragt, ob er die Plakate entsorgen solle. Was schnell widerlegt ist: Den Anruf hat es nie gegeben. Die Polizei habe im Auftrag des Bundesamtes für Verfassungsschutz gehandelt, so die telefonische Auskunft aus der Wachstube. Mit welcher Begründung, konnte Olivia Schütz bisher nicht in Erfahrung bringen. Die Stadtwerkstatt hat Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet.

Marika Schmiedt stellt sich das so vor: «Die Stadtführerin ist auf die Polizeiwache gegangen und hat sich aufgeregt, die Plakate seien rassistisch und müssten entfernt werden. Und die Polizei hat das gemacht.» Was ein bisschen Mut macht: Der nächste Wahlkampf kommt bestimmt, und man könnte die gleiche Strategie anwenden – ab in die Wachstube, und weg sind die rassistischen Wahlplakate.

Aber lustig ist das nur einen Augenblick lang. Immerhin liegt diesem behördlichen Angriff auf politische Ausdrucksformen in der Kunst die alte Strategie zugrunde, jene als Rassist_innen zu bezeichnen, die Rassismus anprangern. Das geht ganz einfach, wenn man einen homogenen Volksbegriff hat: Du sagst, in Ungarn gibt’s ein Rassismusproblem? Ich verklage Dich, weil Du (uns) Ungarn beleidigst.

Schmiedts Collagen mögen schmerzen, weil sie den Finger auf Europas wunde Punkte halten. Und sie mögen übertreiben, weil der Auschwitzvergleich ein bisschen locker sitzt. Aber was in der Reaktion auf ihre Arbeiten offenbar wird, ist dass ein Poster mit Viktor Orbáns Konterfei auf einer Salami als schlimmer empfunden wird als die Wirklichkeit: «Meine Plakate werden angegriffen, aber die Verhältnisse nicht.» Und darin ist die Wut begraben, die Schmiedt weiter antreibt. «Ich würd mich liebend gern um was anderes scheren, wenn die gesellschaftlichen Zustände es erlauben würden.» Bis dahin muss noch viel Wasser die Tisza hinunterfließen.
Augustin 2013 

>>> Vernissage am Baustellenzaun

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Unhaltbare Lebensumstände für Roma in der Slowakei

Veröffentlicht am 18.05.2013 von Bildungsverein der Roma zu Hamburg e.V.

WIRKLICH. ICH LEBE IN FINSTEREN ZEITEN!

von Claudia Dietl

«Selbst zum Musizieren zu faul»: Die Slowakei wird für Roma zum Unort
Die Geschichte spielt in Plavecký tvrtok, einem slowakischen Dorf 16 Kilometer hinter der österreichischen Grenze, in dem der Abriss einer ganzen Roma-Siedlung unmittelbar bevorsteht.
http://www.augustin.or.at/article1684.htm

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NPD hetzt gegen Roma

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NPD-NRW Verteilmaterial Duisburg
http://www.heise.de/tp/artikel/39/39168/1.html

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Vernissage am Baustellenzaun

******UPDATE 10.5.2013
Vernissage am Baustellenzaun
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Rassismusparagraph: Wieder Haftstrafen für Roma

Avatar von pusztarangerPusztaranger

„Null Toleranz gegen Antisemitismus“ verkündete Viktor Orbán die Tage auf dem Jüdischen Weltkongress. Auch Rassismus wird von der ungarischen Justiz konsequent geahndet – allerdings nicht bei rechtsextremen Hassverbrechen gegen Minderheiten, sondern im Fall von Roma, die sich tätlich gegen rechtsextreme Angriffe wehren. Laut der neuen Verfassung schützt der Rassismusparagraph mittlerweile auch die ungarische  Mehrheits(volks)gemeinschaft vor „rassistisch“ motivierten Angriffen, in diesem Fall Mitglieder der verbotenen Ungarischen Garde. 

Neun Roma aus Sajóbábony, die 2009 Mitglieder der Ungarischen Garde angegriffen hatten, wurden in Miskolc wegen „Gewalt gegen eine Gemeinschaft“ (Rassismusparagraph, wirkt strafverschärfend) und Sachbeschädigung zu insgesamt 27 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt, so hvg gestern.

Die neun Männer demolierten am 14. November 2009 mit Stöcken, Äxten und Stangen bewaffnet ein Auto, in dem Mitglieder der Ungarischen Garde saßen. Während des Angriffs schrien sie: „Wir bringen euch um, ihr stinkenden Magyaren!“

Am Tag zuvor hatte in Sajóbábony eine Gardeversammlung stattgefunden, und die Romabevölkerung…

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ROMA

Aufruf zur internationalen Soldarität mit Roma

Avatar von derpariaDER PARIA

Among the many reasons of concern about the political, economic and social crisis affecting the European Union’s civil society today, there is one that in our view has reached a critical level. We are very concerned about the re-establishment and re-legitimization of far-right parties in Eastern and Central Europe.
We are also very concerned about the involvement of the far-right parties in present dynamics of society, about the participation of the far-right parties and fractions in the official decision-making processes of the political scene, along with the presence of the radical right-wing extremists within daily life under the protection of the authorities.

In the last years, there were many attacks and mobs against Roma people all over Europe; just to recall some of them, the mobs and pogroms against Roma in Bulgaria, the Czech Republic and Hungary from 2011 until today. Despite of the international critics and counter demonstrations, the…

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Rechtsextremismus in Ungarn

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Roma: Angst vor der importierten Armut

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ORF Teletext 26/04/2013

Wien und Berlin heizen Debatte über Roma-Migranten als Sozialschmarotzer an.
http://kurier.at/politik/eu/roma-migranten-angst-vor-der-importierten-armut/10.429.338

Mobilmachung gegen „Sozialtourismus“
http://www.roma-service.at/dromablog/?p=22430

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Kardinal Meisner: „Roma sind in unsere Zivilisation nicht zu integrieren“

Avatar von nickpolBrights - Die Natur des Zweifels

Mit Blick auf die Lage der Roma in der Slowakei, von der er sich selbst ein Bild habe machen können, sagte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, dass diese Bevölkerungsgruppe ,,in unserer Zivilisation nicht zu integrieren sei‘‘. Nach seinen Erfahrungen in der Slowakei bekomme ,,manche Frau jedes Jahr ein Kind‘‘, und lebe vom Kindergeld.

Terno Drom e. V. – Sinti&Romajugend NRW – Facebook

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Vernissage am Baustellenzaun

***UPDATE  14.10.2013
Ein Film von Renate Bauer über die Irritationen die Marika Schmiedt in Linz ausgelöst hat. Es wird der Weg verfolgt den ihre Plakate zurückgelegt haben, von der Intervention im öffentlichen Raum bis ins Alte Rathaus.
www.dorftv.at

Ungarn-nationaler Proteststurm gegen Roma-Plakatschau in Linz
 “Diese Plakate sind ekelhaft!”

Linz: Eine Plakatausstellung lässt Ungarns Nationalisten wüten
Joseph Gepp

Ban art that targets far right, says Hungarian ambassador
http://www.indexoncensorship.org/

Ungarn-Nationale erwirkten Plakatvernichtung in Linz
IRENE BRICKNER, 10. Mai 2013
http://derstandard.at/1363710676089

Grünen-Anfrage, Entschuldigungsbrief: Polizeiaktion gegen Schau zur Lage der Roma wird zur Politaffäre
Linz – Zwei Tage, länger nicht, klebten die Plakate der Wiener Künstlerin Marika Schmiedt auf einem Baustellenzaun in der Linzer Innenstadt. Am 16. April wurden sie von Polizisten entfernt. Sie wurden zerrissen und entsorgt, ohne dass Schmiedt darüber in Kenntnis gesetzt wurde: Die Frage, auf wessen Geheiß das geschah, entwickelt sich zu einer politischen Affäre.
http://derstandard.at/1363710676089/Ungarn-Nationale-erwirkten-Plakatvernichtung-in-Linz

Polizei entfernt Kunstwerke
Grüne fordern Aufklärung der skandalösen Vorgehensweise und öffentliche Entschuldigung

Die von der Wiener Künstlerin Marika Schmiedt an einem Baustellenzaun in der Linzer Altstadt affichierten Plakate zur Ausstellung „Die Gedanken sind frei“ thematisierten provokant Verfolgung und Diskriminierung der Roma in Europa. Aufgrund einer Beschwerde wurden die Collagen dieser Kunstaktion im öffentlichen Raum von der Polizei entfernt und zerstört – und das ohne Rücksprache mit der Künstlerin oder den OrganisatorInnen. Für die Grüne Integrationssprecherin Marie-Edwige Hartig ist diese Vorgehensweise der Polizei untragbar: „Es ist unbegreiflich, wie es sein kann, dass eine von Kulturdirektor Stieber, in Anwesenheit von Bürgermeister Dobusch und Stadträtin Schobesberger, eröffnete Kunstaktion im öffentlichen Raum von der Polizei einfach demontiert und schließlich auch noch zerstört wird.“ Dass im Zuge dieses Vorfalles nun seitens der Polizei behauptet wird, in Absprache mit der Künstlerin gehandelt zu haben, ist für Hartig unverschämt: „Sowohl die Künstlerin als auch die Mitveranstalterin, die Linzer Stadtwerkstatt, weisen diese Behauptungen der Polizei als unwahr zurück. Diese Vorgehensweise der Polizei ist für mich daher nicht nur skandalös sondern insbesondere der Künstlerin gegenüber äußerst respektlos“. Eine restlose Aufklärung des Vorfalls hat zu erfolgen und eine öffentliche Entschuldigung ist für Gemeinderätin Hartig daher mehr als angebracht. Es zeigt sich, dass hier ein enormer Bedarf an Sensibilisierung bei der Linzer Polizei besteht. Die Grünen schließen sich, so die Grüne Integrationssprecherin abschließend, der Forderung der Mitveranstalterin – der Linzer Stadtwerkstatt – nach einer Ausstellungswiederholung in den Räumlichkeiten der Landespolizeidirektion in der Nietzschestraße vollinhaltlich an.

PRESSEINFORMATION der STADTWERSKTATT vom 10. Mai 2013

Zu Berichten über die Demontage einer antirassistischen Ausstellung in Linz Stadtwerkstatt fordert eine offizielle Entschuldigung von Polizei und Verfassungsschutz und eine Neuninstallation der Ausstellung in der Bundespolizeidirektion

Auf Basis einer Stellungnahme der Bundespolizei Linz gegenüber der APA zur Demontage der antirassistischen Ausstellung der Künstlerin Marika Schmiedt „Die Gedanken sind frei“ am 16. April in Linz sind am 8. Mai Artikel in der online-Ausgabe der ÖÖN und auf derstandard.at erschienen. Hätten die beiden Medien auch die Veranstalterin Stadtwerkstatt zu den Vorfällen befragt, hätten deren Leser und Leserinnen vielleicht folgendes erfahren können: Eine schriftliche Bitte der Stadtwerkstatt vom 24. April um schriftliche Klärung des Sachverhalts der Demontage der Ausstellung ist bis heute unbeantwortet geblieben. Die von Polizeibeamten mehrmals getätigte Behauptung, es sei nach der Entfernung der Collagen mit der Künstlerin Marika Schmiedt Kontakt aufgenommen worden, ist unwahr. Ebenso unwahr ist die Behauptung, die Mitveranstalterin Stadtwerkstatt sei über dieses Vorgehen in Kenntnis gesetzt worden und hätte einer „Entsorgung“ der Plakate zugestimmt.
Offenbar möchte die Polizei mit diesen Behauptungen von den eigenen Irrungen und Wirrungen um die Zerstörung einer Kunstausstellung im öffentlichen Raum durch ihre Beamten ablenken. Kurz vor Eröffnung der Ausstellung riss eine Fremdenführerin mit ungarischen Wurzeln eine Collage von der Bretterwand und attackierte die Künstlerin und die Vorsitzende der Stadtwerkstatt mit massiven verbalen Bedrohungen. Der Begleiter der Fremdenführerin hat überdies Frau Schmiedt das Telefon entrissen.
Dies, wie es die ÖÖN tun, verharmlosend so darzustellen: „Schon beim (sic!) dieser Veranstaltung gab es Proteste gegen die satirisch gemeinten Plakate, die offenbar nicht jeder so verstand.“ – kann als Affront bezeichnet werden. In den OÖN ist weiters zu lesen, Polizeibeamte hätten sich am Tag der Demontage „zu der Baustelle begeben und dort mehrere Personen angetroffen, die durch die Plakate „sehr verstört“ gewesen seien“. Diese Behauptung lässt nur den Schluss zu, dass die Polizei anstatt dem Antirassismus einem „gesunden Volksempfinden“ zu Diensten war. „Das Landespolizeikommando stellte ergänzend fest, die einschreitenden Beamten hätten eine Güterabwägung vornehmen müssen“ (OÖN). Auf diese Weise wird der schwarze Peter den kleinen Beamten der Wachstube zugeschoben. Durch Polizeibeamte der Dienststelle Landhaus wurde jedoch bestätigt, dass das Amt für Verfassungsschutz die antirassistische Ausstellung als rassistisch eingestuft hatte. Die Stadtwerkstatt fordert eine offizielle Entschuldigung von Polizei und Verfassungsschutz und eine Neuinstallation der Ausstellung „Die Gedanken sind frei“ von Marika Schmiedt in der Eingangshalle der Bundespolizeidirektion Linz, Nietzschestraße.
Presseinformation_Stadtwerkstatt_ Richtigstellung

***UPDATE 8.5.2013
http://derstandard.at/1363710481981/Diskussion-um-Plakat-Aktion-gegen-Rassismus-in-Linz
http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Aktion-gegen-Rassismus-Polizei-entfernte-Plakate;art4,1118034

FALTER 19/13
falter-zerstörung einer ausstellunghttp://www.fro.at/article.php?id=6205
http://www.stopptdierechten.at/2013/05/07/linz-oo-polizeilich-unterstutzter-rassismus/#more-5792
http://kupf.at/pa-stadtwerkstatt-verbotene-kunst

Verkehrte Welt!
http://igkultur.at/kulturpolitik/kommentare/verkehrte-welt

***UPDATE 30.4.2013

Sehr geehrter Herr Chefinspektor Styl!

Am 14. April eröffnete der Linzer Kulturdirektor Dr. Stieber eine von Stadtwerkstatt und Galerie Hofkabinett veranstaltete Ausstellung von Plakaten der Künstlerin Marika Schmiedt. Die Plakate wurden entlang des Bauzaunes vor der Liegenschaft Hofberg 10 ausgehängt. Bei dieser Eröffnung waren auch Bürgermeister Dr. Dobusch und Stadträtin Mag.a Schobesberger anwesend. Bereits zwei Tage später waren sämtliche 31 Plakate entfernt. Ich habe gestern ein Telefonat mit einem ihrer Mitarbeiter geführt und die Bestätigung erhalten, dass Polizeibeamte der Polizeiinspektion Landhaus die 31 Collagen am Dienstag, 16.4.2013 entfernt haben; dies offenbar im Auftrag des Bundesamt für Verfassungsschutz. In diesem Telefonat wurde mir auch gesagt, dass seitens Dienststelle Landhaus Kontakt mit der Künstlerin Marika Schmiedt aufgenommen wurde, um in Erfahrung zu bringen, ob die entfernten (und zerrissenen!) Collagen von ihr noch benötigt werden, oder entsorgt werden können. Da ich im laufenden Kontakt mit der Künstlerin stehe, wäre ich über dieses Telefonat informiert gewesen und mir die unerklärliche Vorgehensweise, also die Entfernung durch die Polizei einer vom Bauherrn und der Baufirma genehmigten Ausstellung, bekannt gewesen. Auf meine erneute Nachfrage, ob diesbezüglich tatsächlich mit der Künstlerin gesprochen wurde – wurde mir dies nochmals versichert. Tatsache ist allerdings, dass weder die Künstlerin, noch wir als Veranstalter über dieses Vorgehen informiert wurden. Für die Stadtwerkstatt entstand auch ein finanzieller Schaden, weshalb wir die Entfernung zur Anzeige gebracht haben. Ich bitte Sie um eine schriftliche Stellungnahme, warum die Collagen durch die Polizei entfernt wurden.

Freundliche Grüße
für den Vorstand der Stadtwerkstatt
Olivia Schütz

Sehr geehrte Damen und Herren!

Am vergangenen Sonntag, 14.4.2013 wurde um 15 Uhr im Rahmen der
Veranstaltung „Ein Dorf in der Stadt“, initiiert und durchgeführt vom Verein Altstadt Neu, der Programmpunkt „Kunst am Baustellenzaun“ eröffnet. Dabei handelte es sich um die, von Stadtwerkstatt und Galerie Hofkabinett realisierte Plakatausstellung „Die Gedanken sind frei“, der Künstlerin, Filmemacherin und Aktivistin Marika Schmiedt. Diese Eröffnung wurde durch Kulturdirektor Dr. Julius Stieber, im Beisein von Bürgermeister Dobusch und Stadträtin Mag.a Schobesberger, durchgeführt. Leider kam es im Vorfeld dieser Eröffnung zu einem unsäglichen Zwischenfall: Als ich um ca. 13.30 Uhr, der in Wien lebenden und gerade angereisten Künstlerin Marika Schmiedt, die Anordnung ihrer Collagen am Baustellenzaun entlang der Liegenschaft Hofberg 10 zeigte, ist eine Frau, sichtlich erbost und aufgebracht und in Begleitung eines Mannes, der mit Fotokamera mich, die Künstlerin und die Plakate fotografierte, zu den Plakaten und riss eines davon herunter. Meine Recherchen ergaben, dass es sich hier um Frau Beate Hofstadler, eine staatlich geprüfte Stadtführerin der Austria Guides handelt, die auch kurz darauf mit einer gewandeten Führung durch die Linzer Altstadt führte, siehe: http://www.findaguide.at/
Ich bin auf Frau Beate Hofstadler zugegangen und fragte sie, warum sie die Collage heruntergerissen hat und wollte sie von einer weiteren Zerstörung abhalten. Daraufhin wurde sie noch erzürnter und fragte wer die Künstlerin sei. Der Begleiter von Beate Hofstadler riss schließlich der Künstlerin Marika Schmiedt das Handy aus der Hand, mit dem sie vor dem Zwischenfall ihre Ausstellung fotografierte. Wir wurden beschimpft, weggedrängt und uns wurde mit einer Anzeige gedroht. Offenbar hat sich Frau Beate Hofstadler an der Thematik der Ausstellung, die die Verfolgung der Roma im heutigen Europa thematisiert, gestossen. Schlussendlich, wohl aber wegen der bevorstehenden Stadtführung, haben Frau Hofstadler und ihr Begleiter den „Ort des Geschehens“ verlassen. Ein derart „entgleistes“ Verhalten einer Stadtführerin der Austria Guides ist nicht zu aktzeptieren. Ich bitte um eine Stellungnahme.

Freundliche Grüße
Olivia Schütz MA
Vorstandsvorsitzende Stadtwerkstatt

INFO: Ausstellung Die Gedanken sind frei
Fotostream Flickr
http://www.stwst.at/die_gedanken_sind_frei/