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Null-Toleranz gegenüber den Verhältnissen

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Simone Schönett
Die Schriftstellerin Simone Schönett im Gespräch mit Marika Schmiedt.

Deine Grafiken spiegeln reale Verhältnisse. Angegriffen werden aber sie, und nicht etwa die realen Verhältnisse selbst. Absurd?

Meiner Erfahrung nach war es immer schon so, dass man jene kritisiert, die auf die Verhältnisse aufmerksam machen – und nicht die Verhältnisse selber kritisiert. Insofern ist das auf keinen Fall verwunderlich. Aber nervig, und es ärgert mich, denn die Plakate sind ja nichts im Verhältnis zu den Zuständen. Es gibt täglich neue Belege dafür, was in Europa los ist.
Man kann es wissen, wenn man es wissen will. Aber wenn es einen nicht selber betrifft, neigt man dazu, nichts wissen zu wollen, die Verhältnisse auszublenden, und zwar vollkommen auszublenden. Das ist für mich das Schreckliche. Unbegreiflich: Die Mehrheitsgesellschaft neigt dazu, ganze Teile der Realität auszublenden – und das betrifft nicht nur Roma. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man das so von sich abtrennen kann, von wegen: Das geht mich nichts an, was hat das mit mir zu tun?
Beim Nachdenken über die heftigen Reaktionen, die die Plakate auslösten, habe ich meine bisherigen Arbeiten reflektiert. Und im Zusammenhang damit festgestellt, dass man sich den Bildern nicht entziehen kann, sie machen etwas mit einem, rufen vor allem auch die Rechten auf den Plan, aber auch viele andere Leute; sie lösen etwas aus, Positives und Negatives. Zu dem Vorfall in Linz gibt es ein »österreichisches Politikforum« mit 553 Einträgen. Zum Teil Kommentare wie: das sei keine Kunst, sei reine Hetze, diffamierend, geschmacklos. Oder der Vorwurf, so eine Arbeit bewege nichts. Das sehe ich anders. Meine Arbeit bewegt jedenfalls – die Gemüter.

In der Rezeption deines Kunstprojektes »Die Gedanken sind frei« fiel nie der Untertitel: »Angst ist Alltag für Roma in Europa«. Fällt da im Ausblenden des Untertitels nicht schon das Entscheidende weg?

Meine Plakate beziehen sich auf ganz Europa, auch auf Österreich. Aber die Medien haben sich hauptsächlich auf Ungarn konzentriert. Der Untertitel hat scheinbar niemanden interessiert, was ja schon wieder klassisch ist.

Die Linzer Polizei behauptet, sie habe im Auftrag des Bundesamtes für Verfassungsschutz die Plakate entfernt, und man habe dich kontaktiert. Was ist das für ein Gefühl, mit solchen Behauptungen konfrontiert zu sein?

Es ist mühsam, dass ich mich überhaupt mit so was beschäftigen muss. Und diese Absurdität, mit der ich da konfrontiert werde, nervt.

Wie fühlt man sich, wenn man antirassistische Kunst zeigt – und dann die Arbeiten wegen angeblicher Verbreitung rassistischer Inhalte angezeigt werden?

Einsam. Bedenklich auch, wie schnell die Rechten reagieren, und wie lange es bei Leuten dauert, die wie ich im antirassistischen Kontext arbeiten. Auch von KuratorInnen, mit denen ich schon gearbeitet habe, gab es keine Reaktion. Reagiert haben nur wenige, oft Leute, die mich gar nicht kennen. Und die Medien haben ja auch erst einen Monat nach dem Vorfall in Linz berichtet.

Wäre dieser Skandal in Linz auch passiert, wenn du keine Romni wärst?

Das kann ich nicht beantworten. Wäre ich keine Romni, hätte ich die Ausstellung gemacht? Jede Antwort auf die Frage wäre reine Spekulation. Aber das Medium Plakat, genau diese Form des Ausdrucks, öffentlich, hat mit meiner Geschichte zu tun. Mit der meiner Großmutter, der meiner Mutter – und meiner eigenen. Damit beschäftige ich mich schon seit 1999. Und je älter ich werde, desto weniger Toleranz kann ich für die herrschenden Verhältnisse aufbringen, nämlich Null-Toleranz. Ich kann die Verhältnisse nicht schönreden. Und das möchte ich auch nicht.

Waren die Reaktionen auf die Grafiken überraschend? Oder hast du damit gerechnet?

In der Form war es schon überraschend. Dass die Plakate vielleicht nicht lange hängen oder beschmiert werden, ja, damit musste man rechnen. Aber die ungarische Fremdenführerin hat mich schon überrascht. Dass ich schon vor der Eröffnung verhindern muss, dass die Ausstellung zerstört wird, das hat mir bewusst gemacht, wie gut organisiert die ungarischen Nationalen auch in Österreich sind, dass sie gute Kontakte zur Politik haben. Das ist die Erkenntnis, die ich gewonnen habe.
Der Vorfall in Linz hat mir auch wieder gezeigt, dass für mich eine Reise nach Ungarn mittlerweile unmöglich ist. Ich müsste um mein Leben fürchten. Oder man würde mich einsperren, und ich bekäme eine unverhältnismäßig hohe Strafe, 20 Jahre wegen Diffamierung des ungarischen Volkes. Aber wenn ich das sage, dann sind die Reaktionen hier: Dann fährst du halt eben nicht nach Ungarn, hör ich oft. Dass dies meine Freiheit beschneidet, ist vielen gar nicht klar. Wenn ich etwa nach Serbien reisen will, mit dem Zug, dann muss ich durch Ungarn fahren. Was aber, wie gesagt, nicht mehr geht. Und das in der EU, die immer Demokratie propagiert. Ungarn ist so nahe an Wien. Und was dort passiert, wird einfach ignoriert.

Printmedien reagierten erst einen Monat nach dem Vorfall. Wie beurteilst du das?

Ich glaube schon, dass es daran liegt, dass es hier um Roma geht. Das interessiert niemanden – sonst hätten wir ja nicht diese Verhältnisse. Wenn die Stadtwerkstatt nicht von Anfang an so couragiert gehandelt hätte, wäre da sicher noch mehr Zeit vergangen. Aber leider ist es so. Erst wenn die Printmedien etwas bringen, positionieren sich auch andere. Würde man in den Medien die ungarischen Verhältnisse ernst nehmen, müsste ja tagtäglich darüber berichtet werden. Aber das passiert eben nicht.

In den »Oberösterreichischen Nachrichten« stand, die Polizei hätte am Baustellenzaun, »mehrere Personen« angetroffen, die durch deine Plakate »sehr verstört« waren…

In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass ein paar Tage nach der Ausstellungseröffnung im Kalender des oberösterreichischen Seniorenbunds der ÖVP gegen Sinti und Roma gehetzt wurde: »Diese Volksgruppe handelt sehr skrupellos und beutet ihre Opfer oft bis zur wirtschaftlichen Vernichtung ihrer Existenz aus.« Es gab kurze Empörung. Den Text hat der Seniorenbund von der Linzer Polizei erhalten – der das erst in einer späteren Pressemitteilung leid tat…

Die Stadtwerkstatt fordert eine Neuinstallation deiner Ausstellung in der Eingangshalle der Bundespolizeidirektion Linz. Hättest du nach diesem Skandal noch Lust dazu?

Ich bezweifle, dass eine Neuinstallation in der Bundespolizeidirektion stattfinden wird. Fände ich aber wichtig. Ich würde sofort ein verpflichtendes Seminar für Bewusstseinsbildung anbieten, zusätzlich zur Neuinstallation der Ausstellung. Aber dazu wird es eher nicht kommen.

Mittlerweile sind ja auch rechtsradikale Plattformen auf deine Arbeiten und dich aufmerksam geworden. Ist der Untertitel deiner Ausstellung »Angst ist Alltag für Roma in Europa« nun auch für dich real geworden?

Ja, das kann man sagen, der Untertitel ist real geworden. Ich bin vorsichtiger geworden, ich schaue noch genauer. Das ist ein unangenehmes Gefühl, das ich wahrscheinlich nicht mehr los werde. Aber es wird mich auf keinen Fall davon abhalten, weiter zu machen. Die rechte Ideologie ist so weit verbreitet, hat sich so fest gebrannt in den Hirnen; ein Virus, das sehe ich, lese ich, nehme ich wahr.

In einem Interview kehrst du einen Satz von Ingeborg Bachmann um. Du sagst: »Die Wahrheit ist den Menschen nicht zumutbar«.  

Ja, das stimmt. So scheint es.

Intervention im öffentlichen Raum erreicht viele. Sind noch weitere Ausstellungen der Grafiken geplant?

Natürlich wird es weitere Ausstellungen geben. Und am besten im öffentlichen Raum. Auf Litfasssäulen. Überall. Besonders gerne auf den Screens in den U-Bahnen. Aber das wird nicht stattfinden. Weil meine Grafiken zu zeitgemäß sind. Und es wahrscheinlich Jahre dauern wird, bis meine Arbeiten gezeigt werden können, ohne dass ich mich mit Verfassungsschutz oder Polizei auseinandersetzen muss.

Inwieweit wirkt sich dieser skandalöse Vorfall vom 14. April auf deine Arbeit aus – und auf dich persönlich?

Positiv – und negativ. Meine Arbeit und mein Anliegen werden bekannt, das ist positiv. Und dass sich einige Leute mehr solidarisieren und mit mir kämpfen. Negativ ist, dass dieser Vorfall so viel meiner Zeit eingenommen hat.

VERSORGERIN #98 Juni 2013

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»Die Gedanken sind frei« Linzer Polizei demontiert antirassistische Ausstellung

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von Johanna Herzfeld

Am 14. April wurde in der Linzer Innenstadt beim Altstadtfest »Ein Dorf in der Stadt«
die Ausstellung der Wiener Künstlerin und Filmemacherin Marika Schmiedt eröffnet.
Initiiert von der Stadtwerkstatt, in Zusammenarbeit mit der Galerie Hofkabinett, wurden unter dem Titel »Die Gedanken sind frei – Angst ist Alltag für Roma in Europa« an einem Bauzaun 31 Collagen affichiert, die Schmiedt zu aktuellen rassistischen Diskriminierungen und Verfolgungen von Roma und Romnija in Europa gestaltet hat.
Die Collagen konfrontieren mit bewusst provokanten Sujets. In dem Begleittext, der die Ausstellung am Bauzaun einleitete, beschreibt die Künstlerin ihre Arbeit mit folgenden Zeilen:
»Diese ›Ausstellung‹ soll als Spiegel der verbreiteten aber durchschnittlich nicht wahrgenommenen Rassismen dienen und mit der Geschichte der Verfolgung der Roma in Verbindung gebracht werden. Pogrome in Europa existieren nach wie vor – lebensbedrohende Zustände sind allgegenwärtig und obwohl die Situation für Roma eine soziale und politische Situation hervorruft, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert, hat sich die Mehrheit zum Schweigen entschlossen.
Meine Collagen, die im Sinne der Confrontage agieren, versuchen das Schweigen zu durchbrechen und den Rassismus zu enthüllen und gleichzeitig der fortschreitenden Diskriminierung entgegenzuwirken.«

Die Collagen thematisieren Beleidigungen durch Lebensmittelbezeichnung (»Z-Schnitzel«), Abschiebungen aus Frankreich, untragbare Lebensbedingungen in peripheren »Wohn«-gebieten in Serbien, Neonaziübergriffe in Ungarn und die fehlende Aufarbeitung des Porajmos, des Völkermordes an Roma und Sinti durch die Nazis.
»Marika Schmiedt kommentiert, was los ist in Europa, und sie ist dabei nicht zimperlich mit historischen Vergleichen. ›Meine Kunst ist nur ein Spiegel‹, sagt sie, ›die Verhältnisse gibt es auch ohne sie‹. Aber das ist zu klein gedacht. Ihre künstlerische Arbeit ist nicht Spiegel, sondern Vergrößerungsglas der Zustände. Sie zoomt hinein in den Wahnsinn, der tagtägliche Politik ist, weiterzappen unmöglich«, so Lisa Bolyos in ihrem Artikel »Die Kunst ist die Lupe der Verhältnisse«, Augustin 344.

Aggressiver Ungarn-Nationalismus

»Schon vor der Eröffnung kam es zu einem unsäglichen Zwischenfall, als ich Marika Schmiedt die Hängung ihrer Arbeiten zeigte«, so Olivia Schütz, Vorsitzende der Stadtwerkstatt. »Während Marika Fotos von ihren Collagen machte, kam eine Frau wütend angebraust, riss ein Plakat herunter und begann uns zu beschimpfen. Die Künstlerin wurde als »Rassistin«, die das ungarische Volk verunglimpfe, beschimpft. Die Frau drohte Künstlerin und  Veranstalter mit Anzeigen. Der Begleiter der Frau, der uns beide fotografierte, riss Marika das Handy aus der Hand. Nachdem Marika ihr Handy eingefordert und auch wieder bekommen hatte, verließen die beiden den Ort – im Weggehen ließ mich die Frau aber noch wissen, dass sie uns »200 oder 300 Ungarn vorbeischickt«.

Bei dieser Frau handelte es sich um eine  Fremdenführerin mit ungarischem Hintergrund. Auf dem Blog von Marika Schmiedt drohte die Stadtführerin mit einer Anzeige, vertreten durch die wiener-ungarische Anwältin Eva Maria Barki, die für ihre Jobbik-Affinität bekannt ist. Dr. Barki hat im Jahr 2010 den Aufmarsch von ungarischen Rechtsextremen und Neonazis in Oberwart angemeldet. Konkret ist in dem Kommentar zu lesen: »Ihre ›künstlerischen‹ Machwerke wurden alle fotografiert und an das Büro des ungarischen Ministerpräsidenten sowie an eine Rechtsanwaltskanzlei in Wien z. Hd. Frau Dr. Eva Maria Barki gesandt. Diese wird die Staatsanwaltschaft einschalten.«

Collagen wurden durch die Polizei entfernt

Innerhalb von 48 Stunden nach der Vernissage, die Kulturdirektor Dr. Stieber eröffnet hatte, waren alle 31 Collagen entfernt. Erst einige Tage später bekam die Stadtwerkstatt den Hinweis, dass Polizeibeamte die Demontage der Collagen durchgeführt hatten.
Eine am 24. April geschickte Anfrage von der Stadtwerkstatt an die Landespolizeidirektion mit der Bitte um eine Sachverhaltsdarstellung blieb unbeantwortet. Auch die ersten Anrufe bei der Polizei gingen ins Leere.
Schließlich bekam die Stadtwerkstatt am 29. April auf eine erneute telefonische Anfrage die Bestätigung, dass die Collagen tatsächlich bereits zwei Tage nach der Eröfffnung behördlich entfernt worden waren.
Der diensthabende Beamte behauptete, Marika Schmiedt sei angerufen und gefragt worden, ob ihre Plakate entsorgt werden sollen, wonach sie angeblich zugestimmt habe. Marika Schmiedt hat jedoch nie einen Anruf diesen Inhalts erhalten. Die Polizei habe im Auftrag des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der die Plakate als rassistisch beurteilt hätte, gehandelt, so die telefonische Auskunft aus der Wachstube. Die Stadtwerkstatt hat Anzeige wegen Diebstahl erstattet.

Mehrere sehr Verstörte

Am 8. Mai kam durch eine indirekte Kontaktaufnahme ein Treffen zwischen dem Stadtpolizeikommandant von Linz und der Stadtwerkstatt zustande. In diesem Treffen wurde in Erfahrung gebracht, dass einige Beschwerdeanrufe in der Polizeiinspektion Nietzschestraße – Zuständigkeit Verfassungsschutz – eingegangen wären. Der ausschlaggebende Anruf soll der eines Journalisten gewesen sein.
Diese Beschwerden wurden telefonisch an die Dienststelle Landhaus, nahe des Ausstellungsortes, weitergeleitet. Die Beamten vor Ort hätten daraufhin die Collagen entfernt. Laut Stadtpolizeikommandant seien nur fünf Plakate entfernt worden. Fotos vom Vormittag des 16. April zeigen jedoch noch mindestens 15 Plakate. Die »Oberösterreichischen Nachrichten« berichteten, die Polizeibeamten hätten am Bauzaun »mehrere Personen angetroffen, die durch die Plakate ›sehr verstört‹ gewesen seien«. Sollten diese »Verstörten« bereits der Polizei Arbeit abgenommen haben? Die Behauptung  der Anwesenheit »mehrerer Verstörter« lässt nur den Schluss zu, dass die Polizei anstatt dem Antirassismus einem »gesunden Volksempfinden« zu Diensten war.

Umittelbar nach diesem Treffen wurde vom Landespolizeikommando Oberösterreich eine Stellungnahme an die Presse geschickt.
Darin stand zu lesen, dass die Stadtwerkstatt über die Demontage informiert worden sei und weiters: »Das Landespolizeikommando stellte ergänzend fest, die einschreitenden Beamten hätten eine Güterabwägung vornehmen müssen« (OÖN).
Die Bestätigung durch Polizeibeamte der Dienststelle Landhaus, dass das Amt für Verfassungsschutz die antirassistische Ausstellung als rassistisch eingestuft habe, lässt nur vermuten, dass auf diese Weise der schwarze Peter den kleinen Beamten der Wachstube zugeschoben wird. Die Stadtwerkstatt wurde natürlich auch nicht informiert.

Förderung von politischer Bildung

Zwei Tage später erhielten wir ein Schreiben vom Stadtpolizeikommandant, in dem sich dieser bei Marika Schmiedt und der Veranstalterin Stadtwerkstatt im Namen seiner Beamten entschuldigt. »Als die Beamten die Information über die angeblich rassistischen Plakate erhielten, mussten sie die Plakate einschätzen und unterlagen dabei diesem Irrtum. Sie waren überzeugt richtig zu handeln und irrten dabei.«
Das Amt für Verfassungsschutz wird in diesem Schreiben mit keinem Wort erwähnt.
Weiters ist in diesem Schreiben zu lesen: »In der Polizeiinspektion wurde den Beamten erst klar, dass die Plakate im Zusammenhang mit der angemeldeten Veranstaltung stehen könnten und die Anmelderin der Veranstaltung (der Veranstaltung ›Ein Dorf in der Stadt‹, Anm. d. Red.) wurde telefonisch kontaktiert.« Zumindest ist also nun der Punkt, mit wem die Polizei Kontakt aufgenommen hat, geklärt.

Das ungarische Rechtsextremen-Portal »kuruc.info« hat zu der Ausstellung in Linz einen Hetzbericht veröffentlicht, in dem Marika Schmiedt als »Judenkünstlerin« tituliert wird. Die im Bericht veröffentlichten Fotos stammen von dem Vorfall vor der Ausstellungseröffnung, die der Begleiter der Stadtführerin anfertigte.

Der Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger (GRÜNE) hat eine parlamentarische Anfrage an die Bundesministerin für Inneres betreffend »Mutwillige Zerstörung einer Kunstausstellung durch die Linzer Polizei?« gestellt. In dieser werden dreizehn Fragen rund um den Hergang der Demontage und Verbindungen zwischen ungarischen Nationalisten in Österreich und Rechtsextremen bzw. Neonazis in Ungarn, gestellt.
http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/J/J_14720/fnameorig_303869.html

Für die Stadtwerkstatt kann der ungeheurliche Vorfall, die Demontage einer antirassistischen Ausstellung durch die Polizei, durch eine Entschuldigungsmail, in der der Linzer Stadtpolizeikommandant die Stadtwerkstatt ersucht, »auch der Künstlerin mein Bedauern zu übermitteln«, nicht ad acta gelegt werden.
Die Stadtwerkstatt fordert eine offizielle Entschuldigung von Polizei und Verfassungsschutz sowie eine Neuinstallation der Ausstellung »Die Gedanken sind frei« von Marika Schmiedt in der Eingangshalle der Bundespolizeidirektion Linz, Nietzschestraße – ganz im Sinne eines Subtitels der Ausstellung, nämlich zur Förderung von politischer Bildung und Zivilcourage!

»Aber lustig ist das nur einen Augenblick lang. Immerhin liegt diesem behördlichen Angriff auf politische Ausdrucksformen in der Kunst die alte Strategie zugrunde, jene als Rassist_innen zu bezeichnen, die Rassismus anprangern. Das geht ganz einfach, wenn man einen homogenen Volksbegriff hat: Du sagst, in Ungarn gibt’s ein Rassismusproblem? Ich verklage Dich, weil Du (uns) Ungarn beleidigst.«
(…)
»Schmiedts Collagen mögen schmerzen, weil sie den Finger auf Europas wunde Punkte halten. Und sie mögen übertreiben, weil der Auschwitzvergleich ein bisschen locker sitzt. Aber was in der Reaktion auf ihre Arbeiten offenbar wird, ist, dass ein Poster mit Viktor Orbáns Konterfei auf einer Salami als schlimmer empfunden wird als die Wirklichkeit: ›Meine Plakate werden angegriffen, aber die Verhältnisse nicht.‹ Und darin ist die Wut begraben, die Schmiedt weiter antreibt. ›Ich würd mich liebend gern um was anderes scheren, wenn die gesellschaftlichen Zustände es erlauben würden.‹ Bis dahin muss noch viel Wasser die Tisza hinunterfließen.«

Lisa Bolyos, Augustin

VERSORGERIN #98 Juni 2013

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Radio Pir.at zur Causa Ausstellung am Baustellenzaun

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Linz – Zwei Tage, länger nicht, klebten die Plakate der Wiener Künstlerin Marika Schmiedt auf einem Baustellenzaun in der Linzer Innenstadt. Am 16. April wurden sie von Polizisten entfernt. Sie wurden zerrissen und entsorgt, ohne dass Schmiedt darüber in Kenntnis gesetzt wurde. Die Frage, auf wessen Geheiß das geschah, entwickelt sich zu einer politischen Affäre.

In dieser Folge von Radio Pir.at werden Auszüge aus dem Blog von Marika Schmiedt und anderen Quellen mit Musik von Bob Dylan garniert.
Von Paul Fischnaller (Galerie Hofkabinett Linz)
http://cba.fro.at/110916
Infos Eklat am Baustellenzaun

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Czech Republic: 500 at anti-Roma demo, police keep neo-Nazis from attacking

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On 29 May 2013 about 500 people demonstrated on the main square in Duchcov (Teplice district), Czech Republic. The local gathering was convened in response to an attack perpetrated by a group of Romani people on a non-Romani married couple earlier that month. After the assembly was over, some demonstrators headed for a Romani-occupied neighborhood. Police blocked their way and the convener of the demonstration called on them to disperse. (PHOTO: ČTK)

In the Czech town of Duchcov (Teplice district) about 500 people demonstrated in response to an attack perpetrated by a group of Romani people against a young non-Romani married couple in mid-May. Police have already charged five assailants with grievous bodily harm in the case.
After the assembly ended, some demonstrators heading for a Romani-occupied neighborhood. Police blocked their way and organizers called on them to disperse.
Police eventually intervened and arrested two demonstrators.
The anti-Roma meeting was convened by three local people and was called a „Gathering of Dissatisfied Citizens“. „I don’t know what to expect. I am afraid there will not be any room for discussion today,“ said Mayor of Duchcov Jitka Bártová prior to the gathering, which she later addressed. One hour before the protest was scheduled to begin,
local Romani residents also gathered to pray for peace and quiet.
„It takes two to fight,“ the clergyman leading the prayer reminded them.
The gatherings were convened in response to the 18 May assault. Police say the incident was preceded by an attempted bicycle theft during which the bike owner was injured.
The same assailants then attacked the young married couple on their way home from the discotheque, kicking and punching them.
A court later refused to remand the five charged suspects into custody. Police are also investigating events that followed the assault. They are interested in how video footage of the incident recorded by municipal cameras was leaked, how a local municipal patrolman behaved during the incident, and in internet discussions conducted by Jindřich Svoboda, one of the conveners of the assembly, in which he called for all Romani people to be massacred.
http://www.romea.cz/

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Mord an Rom in Teplice – erneut rassistische Medienberichterstattung gegen Roma

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Wie das Infoportal romea.cz am 27.5. berichtete, wurde in der Nacht vom 24. Mai auf den 25. Mai in Teplice ein Rom mit mehreren Messerstichen getötet. Der Mann sei brutal mit 21 Messerstichen niedergestochen worden, nachdem er laut Aussagen eines Augenzeugen versucht habe, einem jungen Rom, welcher rassistisch beleidigt und verfolgt wurde, zu helfen [diese Schilderung konnte nicht bestätigt werden]. Verschiedene Medien, u.a. TV Nova, berichten jedoch davon, dass der Auslöser des Angriffs eine angeblich gestohlene Bratwurst sei. Tatsächlich ist der Rom Ivan Jarka mit zwei Messerstichen getötet worden, einem von hinten in die Schulter und einem direkt ins Herz, wie der zuständige Ermittlungsbeamte gegenüber dem ERRC bestätigt hat.

Ingesamt berichten wenige Medien über diesen brutalen Vorfall, und wenn doch, so wird die Tatsache, dass der Angegriffene ein Rom war, nicht erwähnt. Scheinbar spielt dies nur eine Rolle, wenn es um Fälle geht, in denen Weiße die Opfer sind. Interessant…

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Tina Leisch «Die Gedanken sind frei» Ausstellung am Baustellenzaun

Sehr geehrte Damen, Herren und Transgender,

Können Sie es sich leisten, ohne politische, engagierte Kunst und Kultur zu leben?
Brauchen sie keine Hip-Hop und Street-Art-Workshops, weil es Ihnen egal ist, ob die Kids im Gemeindebau gemeinsam Saltos lernen oder  sich in – oft noch nach ethnischen Kriterien gegeneinander abgegrenzten – Banden und Gangs  in die Goschn hauen, weil Ihre Kinder jenseits der Gefahrenzone leben, da Sie sie ja eh von zuhause im Auto in die Musikschule und zum Ballettunterricht führen?
Glauben sie, es sich leisten zu können, auf transkulturelle Theaterprojekte zu verzichten, in denen die tatsächlich vorhandenen religiösen, ökonomischen und weltanschaulichen Minenfelder zwischen Menschen verschiedenen Backgroundes thematisiert, analysiert, vielleicht auch persifliert werden?
Vielleicht, weil Sie dieses Konfliktpotential gar nicht wahrnehmen- in ihrem Bekanntenkreis gibt es, wenn überhaupt, nur immigrierte Menschen mit Hochschulabschluss, die zumindest so tun, als dächten sie so wie Sie, da können Sie behaupten, dass interkulturelle Konflikte eine Erfindung von RassistInnen  seien?
Oder weil Sie – im Gegenteil sich klammheimlich über jeglichen solchen Konflikt freuen, dient er doch ganz wunderbar dazu, die Ressentiment gegen Immigration und immigrierende Menschen anzuheizen?
Können Sie es sich leisten, auf  Experimente ad hoc realisierter Utopien wie sie z.B. die Stadtwerkstatt immer wieder ausbrütet, zu verzichten? Brauchen Sie keinen Gibling, weil Sie en masse Nehmlinge besitzen, die für Sie arbeiten?
Brauchen Sie  keine künstlerischen Interventionen, die im öffentlichen Raum Klippen errichten, an denen sich die Durchkapitalisierung aller Lebensbereiche zu Sturzwellen bricht, weil Sie sich eh alles kaufen können und einer Konfrontation mit der Tatsache, dass das nicht für alle Menschen so ist, sowieso lieber aus dem Weg gehen?

Sie wollen Kunst und Kultur wie Mozartkugeln: Man gibt ein Geld her und kriegt dafür einen Genuss, und zwar genau den Genuss, den weiße, christliche, der Mittel- bis Oberschicht angehörenden, gut gebildete Menschen mit Bundesländerhintergrund gelernt haben, als solchen zu begreifen? Denken Sie: „Genau das soll der Staat bezahlen. Für die Proleten gibt’s schließlich Fussball!“?

Die aus Linz stammende und in Wien lebende Künstlerin Marika Schmiedt kann es sich nicht leisten, auf politische Kunst zu verzichten. Sie arbeitet nicht an Bildern,  die im Wartezimmer der Zahnarztpraxis Schmerzen lindern können. Im Gegenteil: Sie macht Collagen, Bilder, Filme, die weh tun. Sie muss.  Als Romni kann sie nicht anders, als die überall wahrgenommene Diskriminierung von Roma und Sinti zum Thema zu machen. Empörung, Wut, Verzweiflung spricht aus ihrer Arbeit.
Als Marika Schmiedt im April im Rahmen einer von der Stadtwerkstatt und der Galerie Hofkabinett veranstalteten Ausstellung ihre politischen Collagen in der Tradition von John Heartfield oder Klaus Staeck an einen Bauzaun anschlug, wurde sie von  einer Fremdenführerin attackiert, die auch einige von Schmiedts Werken herunterriss. Die Anprangerung der Diskriminierung von Roma durch die rechte Regierung Victor Orbans schien der aus Ungarn stammenden und offensichtlich mit äußerst rechten Kreisen verkehrenden Fremdenführerin eine Beleidigung ihrer Heimat. Doch dabei blieb es nicht: Nach der Eröffnung der Ausstellung „Die Gedanken sind frei“ durch den Linzer Kulturdirektor Dr. Stieber und in Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Dobusch und Stadträtin Mag.a Schobesberger, kümmerte sich der Verfassungsschutz um Schmiedts Kunstwerke- und ließ alle 31 Collagen polizeilich entfernen. Ein Fall unfassbarer staatlicher Zensur eines von offizieller Stelle geförderten Kunstprojektes, auf dessen Fortgang – die Stadtwerkstatt erstatte Anzeige gegen die Entfernung, die Fremdenführerin erstattete Anzeige gegen Marika Schmiedt- man in höchstem Maße gespannt sein darf. Werden die Gerichte urteilen, dass der Verfassungsschutz Recht hatte und Roma in Österreich höchstens als Objekte des Mitleids oder der Fürsorge öffentlich auftreten dürfen, niemals aber in der Gestalt einer selbstbewußten, kämpferischen, mit den friedlichen und bescheidenen Mitteln der Kunst auch einmal zurückschlagenden Frau?
Wird das Begehren derer, die den öffentlichen Raum auf eine Sphäre möglichst reibungsloser Abwicklung von Geschäften zu reduzieren suchen, Oberhand gewinnen über diejenigen, die demokratische Öffentlichkeit als den Raum der Aushandlung von Konflikten und Kunst als die spielerische Form ihrer Thematisierung begreifen?
Darf eine Orbananhängerin selbst in Österreich Kritik an ihrem rechten Führer und Idol unterdrücken?
All diese Fragen hat Marika Schmiedt nicht nur aufgeworfen, sondern als Konfliktprozess in Gang gesetzt. Sie hat ein Werk geschaffen, das Institutionen zwingt, brennende gesellschaftliche Fragen zu verhandeln.
Und doch verdient sie als Künstlerin vermutlich weniger als die Garderobiere, die auf Ihren Mantel aufpasst, wenn Sie sich im neuen Linzer Mozartkugelmusiktheater den Zigeunerbaron geben.
Ich wage zu behaupten: Die große Mehrheit der Menschen kann es sich in keinster Weise leisten, auf die Werke von KünstlerInnen wie Marika Schmiedt zu verzichten. Wer will, dass die Verhältnisse gerechter und die Welt, vor allem die Welt der Ärmeren Leute schöner wird, braucht solche Kunst. Leider wissen viele derer, die sie dringend bräuchten, das noch nicht. Das kann unter andrem durch mehr Subventionen für engagierte, politische Kunst geändert werden.

Herzliche Grüße

Ihre Frau Leisch

(Radio FRO Programmheft Nr. 12)

Vernissage am Baustellenzaun

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Rumäniens gedemütigte Roma

«Gebt uns unsere Karren zurück»

Mit der Auflösung der realsozialistischen Ordnung in Osteuropa haben die Roma ihren gesellschaftlichen Halt verloren. Vor dem Hintergrund der heutigen prekären politischen und wirtschaftlichen Lage sehen sie sich vielenorts aggressiven Anfeindungen ausgesetzt. Besonders drückend ist die Situation in Rumänien.

von Mircea Cartarescu

Die rumänischen Fernsehsender sind auf Greuel spezialisiert. Die Nachrichtensendungen zeigen ein Repertoire an Morden, Vergewaltigungen und Raubtaten, an Autounfällen, bei denen die am Strassenrand liegenden zerfetzten Opfer beharrlich, mit unerträglicher Fokussierung aufgenommen werden. Man kann hier Ehefrauen sehen, die live über den Tod ihrer Männer unterrichtet werden, damit die Kamera unmittelbar ihre über die Wangen rinnenden Tränen einfangen kann. Man sieht junge Mädchen in grausamen Nahaufnahmen und in gleissendes Licht gerückt, die ausführlich darüber erzählen, wie sie jahrelang vom alkoholsüchtigen Vater vergewaltigt wurden. Öffentliche Proteste haben zu nichts geführt, weil für diese Sender der einzige Massstab die Einschaltquote ist. Aber niemals, so scheint es mir, war ich von dieser Masslosigkeit an Verdummung und fehlender Menschlichkeit dermassen erschüttert wie neulich, als ich einen Beitrag über die Vertreibung einer Roma-Gemeinde am Stadtrand Bukarests sah.

Eine verwahrloste Industrielandschaft, demolierte Wassertürme, ein Hallengerüst, Haufen von verrosteten Röhren und Ventilen. Inmitten von meterhohem Unkraut stehen ein Dutzend Eisenbaracken, deren Türen längst abgerissen sind. Hier hausten seit ein paar Jahren ohne Wasser, Strom und unter menschenunwürdigen Bedingungen etwa einhundert Roma, zwischen im Freien aufgehängter Wäsche und Haushaltsmüll. Mit der Begeisterung eines Fussballkommentators teilt uns die Nachrichtensprecherin mit, dass diese Menschen ihren Lebensunterhalt ausschliesslich durch das Schrottsammeln auf Pferdekarren verdienen könnten. Nun würden diese Karren gerade beschlagnahmt, die Polizei und die «Maskierten» laufen hin und her und ersticken jede Art von Widerstand im Keim. Die Gesichter der Männer aus dieser Gemeinde zeigen eine masslose Verzweiflung.

Und jetzt, wohin?
«Was werden Sie jetzt machen?», fragt die Reporterin einen von ihnen, der einen splitternackten, kleinen Buben im Arm hält. «Wir werden sterben», antwortet er und schaut zu Boden. Der Kleine lutscht an roten Bonbons aus einer vergilbten Tüte, wahrscheinlich sind es aus dem Müll gefischte Tabletten mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum. Von den Volkswagen der Polizei eskortiert, reihen sich die von kleinen und müden Pferden gezogenen Karren die Strasse entlang. Die Roma werden sie niemals wiedersehen. Dann dringen die Maskierten in die Baracken ein und treiben die ganze Schar, Frauen und Kinder, mit Gewalt heraus, einem Jammerchor in den Tragödien der Antike gleich. Eine alte Frau heult. «Wo werden Sie nun hingehen?», fragt dieselbe Reporterin, ohne eine auch nur geheuchelte Spur von Mitleid. «Wohin sollten wir gehen? Wir wissen es nicht.» Die Männer werden in die Polizeiwagen verfrachtet und zur Beweisaufnahme auf die Polizeistelle gebracht. Was mit den anderen geschieht, wird nicht gesagt. Der Schlusskommentar stimmt dem Einsatz zu. Noch ein Gefahrenherd gesellschaftsfeindlicher Taten sei beseitigt worden. Die Rentner in den kommunistischen Plattenbauten der «goldenen Ära» können zufrieden sein.

Ab 1960 ging das kommunistische Regime mit sozialem Geschick zur «Lösung der Wohnungsfrage» über. Innerhalb von drei Jahrzehnten wurden mit Billigmaterialien nach einfachsten Standards schnell Tausende von Wohnblöcken aus unfertigem Beton gebaut, die heutzutage jedes rumänische Stadtbild verunstalten, trotz der schönen Lage. Ganze Viertel mit malerischen Häusern wurden dem Erdboden gleichgemacht und durch ausgedehnte, gruselige Beton-Ghettos mit dicht beieinander stehenden Hochhäusern ohne Grünflächen oder Kinderspielplätze ersetzt. Eine zum grössten Teil aus den ländlichen Gegenden kommende Bevölkerung wurde in diesen Gebäuden zusammengepfercht. Ein ganzes Volk wurde gezwungen, in diesen «Streichholzschachteln» zu leben, wie die Betonbauten aus Fertigteilen genannt wurden.

Wie einfach ist es, die Roma für Rumäniens schlechtes Bild in der Welt verantwortlich zu machen! Ständig darüber zu klagen, dass die Ausländer die Rumänen (ehrenhafte Bürger, friedlich, fleissig, Bewahrer aller urväterlichen Tugenden) mit den Roma, der «Ersatz-Nation», wie sie in unseren dummen und rassistischen Witzen auftaucht, verwechseln. Doch im Grunde ist das Problem der Roma in Rumänien auf die rumänische Roma-Politik und nicht auf eine «rassische Minderwertigkeit» zurückzuführen.

Vielleicht sollte von Zeit zu Zeit an die historischen Wurzeln dieses Problems erinnert werden. Die Rumänen aus der Walachei und der Moldau haben die Roma vor ein paar hundert Jahren unterworfen und zu Leibeigenen gemacht. Sie waren die Einzigen in Europa, die so vorgingen. So wurden die Roma gezwungen, ihr natürliches Nomadentum gegen die Ansiedlung auf dem Land ihrer Besitzer einzutauschen. Sie wurden von freien Menschen in sprechendes Vieh umgeformt, so wie die schwarzen Sklaven in Amerika. Innerhalb von Hunderten von Jahren wurden sie gekauft und verkauft, ihre Familien gespalten, die Kinder von den Müttern und die Frauen von den Männern getrennt, die jungen Frauen fortdauernd von ihren Besitzern missbraucht, die «Kesselfarbigen» wurden zum Gegenstand der allgemeinen Verachtung und Diskriminierung. Als Landknechte gebunden und wie die Tiere fortgepflanzt, haben sich die Roma aus den rumänischen Fürstentümern hier mehr als sonst in Europa vermehrt. Wir haben folglich das Problem unserer Roma geschaffen. Es ist unsere historische Schuld.

Da sie gezwungen worden waren, sesshaft zu werden und Feldarbeit zu verrichten, vergassen die Roma ihr traditionelles Handwerk. Sie hörten auf, Kesselflicker, Goldschmiede, Musikanten, Tanzbärenführer, Löffelmacher usw. zu sein. Stattdessen wurden sie bequeme und gleichgültige Landwirte, wie es bei allen Sklaven immer der Fall war. Wie soll man mit Begeisterung arbeiten, wenn man nicht für sich selbst arbeitet? Ob man arbeitet oder nicht, man bekommt sowieso eine Tracht Prügel. Mit der Zeit wurden die Roma zu einer amorphen, verfallenen Masse, die sich an die einstige Freiheit kaum noch erinnern konnte. Sie wurden feige, verleumderisch, zornig, krank und voller Sünde. Die heissblütigen Jugendlichen lehnten sich gegen die bestehende Ordnung auf ihre Art auf: Sie stahlen Pferde, plünderten, fälschten Geld, vergewaltigten, töteten. Die jungen rumänischen Landsknechte von damals waren nicht anders.

Befreiung als Schicksalsschlag
Paradoxerweise hat sich im 19. Jahrhundert die Befreiung aus der Sklaverei für die Roma als ein Schicksalsschlag erwiesen. Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass der Humanitarismus zu schrecklichen Katastrophen führt. Die Roma-Sklaven wurden vor Hunderten Landhäusern der aufgeklärten Grundbesitzer zusammengerufen, und ihnen wurde mitgeteilt: «Brüder, von nun an seid ihr frei! Geht, wohin ihr wollt!» Das menschliche Unheil, das dieser organisatorisch und psychologisch völlig unvorbereiteten «Befreiung aus der Sklaverei» folgte, ist unvorstellbar. Hunderttausende Roma wurden auf einmal frei, vor Hunger zu sterben. Freigesetzt, aber ohne Geld, ohne Kleidung, ohne Mittel zum Lebensunterhalt, ohne einen Glauben, eine Kultur, nur mit dem nackten Menschsein in sich, kamen sie bald ins Gefängnis. Niemand weiss, wie viele von ihnen damals an so viel Freiheit gestorben sind. Und wie viele bis heute ums Leben gekommen sind.

Wir schimpfen die ganze Zeit über die Roma. Was würden wir aber an ihrer Stelle tun? Wie ist es, als Rom auf die Welt zu kommen und inmitten eines Volkes zu leben, das dich hasst und verachtet? Nehmen wir an, du gehst über das kulturelle Hindernis hinweg, in einem schmutzigen und elenden Umfeld geboren zu sein, dass dein Vater Toiletten entleert und deine Mutter die Treppe sauber macht, dass die Brüder im Knast sind, dass man in der Schule Kopfläuse bei dir gefunden und dich von den anderen Kindern getrennt hat, die dich auslachten, dass kein Kind mit dunkler Haut im Schulbuch abgebildet ist. Nehmen wir an, du wirst als Erwachsener ein ehrlicher Arbeiter, wie alle anderen. Wirst du einmal anders als «du Zigeuner» angeredet werden? Wird man dir bei der geringsten Gelegenheit nicht etwa immer vorwerfen, dass «der Zigeuner ein Zigeuner bleibt»? Wie soll man unter diesen Umständen nicht wütend werden und diesen Teufelskreis nicht schliessen wollen: Sie hassen mich, weil ich böse bin, und ich bin böse, weil sie mich hassen . . .?

Wir sind empört, wenn die Ausländer uns als ein Volk von Missetätern betrachten. Aber wir selbst betrachten die Roma so. Und dadurch zwingen wir sie dazu, so zu sein. Viele Rumänen wollen von Roma-Händlern nichts kaufen, stellen keine Roma-Mitarbeiter ein, dulden keine Roma-Nachbarn wegen ihrer Straffälligkeit und Promiskuität. Es stimmt ja: Verachtet, ohne eine angemessene Erziehung und ohne ihr traditionelles Handwerk wurden viele Roma zu Schurkereien und einer erniedrigenden Lebensweise gezwungen. Obwohl die ganze rumänische Bevölkerung arm ist, erreichen Armut und Krankheiten im Roma-Milieu wahrhaft unmenschliche Dimensionen.

Trotzdem neigen die staatlichen Behörden, die Schulen, die Polizei, die Justiz zu Strafexpeditionen in den Roma-Siedlungen, was die Lage nur verschlechtert. Heutzutage bewohnen die Roma in den Städten alle Orte, an denen sonst niemand leben möchte: Trümmerberge im Zentrum, Pappkarton- und Wellblechhütten am Stadtrand und Grundstücke ohne Besitzer. Es gibt heutzutage in Bukarest Wohnviertel, in denen fast ausschliesslich Roma leben – Ferentari, Giulesti oder Rahova –, wo der Mangel an Erwerbschancen und die Straftaten katastrophale Quoten erreichen. Nirgendwo wäre das Wort «Ghetto» angebrachter als im Falle dieser finsteren Orte. Hunderte von Jugendlichen in bunten T-Shirts und mit gefärbten Haaren träumen nur davon, um jeden Preis auszubrechen.

Es ist furchtbar, wenn auf übertriebene, emotionale, zudringliche Weise öffentlich der Eindruck erweckt wird, die ganze Gruppe, der der Einzelne angehört, verkörpere dessen Unmenschlichkeit und Grausamkeit. Es ist ungeheuerlich, wenn man die vielfältigen menschlichen Facetten im Namen der Reinheit und Überlegenheit anderer beseitigen will. Denn die Schönheit des Menschen besteht eben in seiner Vielfalt. Im Laufe der Zeit wurden jedoch Schwarze, Juden, Frauen, Muslime, Homosexuelle als Nichtmenschen oder noch nicht vollkommene Menschen dargestellt und als solche behandelt. Es ist daher unerträglich, Menschen nach genetischen, ethnischen, konfessionellen oder geschlechtlichen Unterschieden zu bewerten, ganz gleich, wo wir selbst stehen.

Der Rom aus Rumänien ist ein menschliches Wesen und ein rumänischer Bürger. Es verwundert, dass daran erinnert werden muss. Wir können die Vorteile und Nachteile der Demokratie oder der universellen Erklärung der Menschenrechte hinterfragen. Aber wenn wir mit ihren Grundsätzen einverstanden sind, sind wir nicht berechtigt, den Roma ihre Menschlichkeit und das Bürgerrecht abzusprechen. Man kann sie als eine Ethnie voller Psychopathen und Verbrecher, als eine heimatlose, primitive und elende Gruppe betrachten, so wie sie heutzutage von vielen Rumänen diffamiert werden. Tatsächlich ist der rumänische Staat multiethnisch und jeder Bürger gleichberechtigt. Der Staat ist verpflichtet, seine Bürger innerhalb und ausserhalb seiner Grenzen zu schützen.

Kette von Demütigungen
Ich lese immer wieder in der Zeitung verbitterte Beiträge darüber, dass wir überall in der Welt mit den Roma gleichgestellt werden, dass ihre Vergewaltigungen und Raubtaten das Image der Rumänen stark schädigen. Ich bin auf meinen Reisen ebenfalls dieser Verwechslung begegnet, die von Ahnungslosigkeit zeugt. Weder die Roma noch die Rumänen sind daran schuld. Oft ist diese Verwechslung gewollt. Die Verantwortung tragen diejenigen, die die Völker in höher- und minderwertige unterteilen, in einer unendlichen Kette von Demütigungen.

Was uns betrifft, führt es zu nichts, immer wieder auf dem ethnischen Unterschied zwischen Rumänen und Roma zu bestehen. Er ist sowieso offensichtlich für uns alle. Aber von Überlegenheit und Unterlegenheit zu sprechen, bedeutet, rassistisch zu sein. Auch ruft nicht nur die Verwechslung mit den Roma eine Verachtung der Rumänen in der Welt hervor. Die Rumänen wurden auch in der Vergangenheit unabhängig von dem Roma-Problem verachtet: In Siebenbürgen etwa waren sie jahrhundertelang das schwarze Schaf des Habsburgischen Reiches. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht viele und besonders prekäre Probleme der in Armut, Unterentwicklung und Verbrechertum versunkenen Ethnie der Roma gebe. Ihre soziale und kulturelle Rückständigkeit ist historisch begründet, aber nicht genetisch bedingt. Wir werden dieses Problem nicht einfach lösen, aber auch nicht dadurch, dass man zu Hass und Verachtung aufruft. Aber das Verschwinden der Roma, die, ob es uns gefällt oder nicht, ein historisches Erbe und ein Bestandteil des rumänischen Volkes sind, wäre ein grosser Schaden für uns alle.

Bis in die dunkelsten Winkel
Am Ende der Sendung, die ich anfangs erwähnte, steht ein Polizeioffizier vor dem Mikrofon und erläutert die Wirksamkeit des laufenden Einsatzes – im Hintergrund das Heulen der mit Gewalt aus den eigenen Baracken vertriebenen Frauen. Plötzlich stürzt ein Rom auf die Kamera zu und schreit so laut, dass für einen Augenblick das Zäpfchen in seinem Hals sichtbar wird: «Wir werden verhungern! Gebt uns unsere Karren zurück! Was sollen wir ohne sie machen?» Der Polizist drängt ihn mit Gewalt zurück. Es entsteht ein Handgemenge, die Kamera kippt, die in Panik geratene Reporterin schreit etwas, und es folgt eine Unterbrechung. Wir befinden uns in einem prächtigen Wohnzimmer mit einer grossen Zierpflanze in einer Ecke neben einem Sofa, auf dem sich zwei Frauen über die Vorteile eines bestimmten WC-Desinfektions-Mittels unterhalten. Dem herkömmlichen Produkt gelingt es nicht, überall einzudringen, wo sich die Mikroben verstecken. Aber das neue verfolgt sie bis in die dunkelsten Winkel hinein. Ein kleiner Zeichentrickfilm zeigt die erschrockenen Mikroben, die in grossem Durcheinander vor dem wundersamen Mittel fliehen. Von seinem Dampf berührt, schwellen die karikierten Gesichter an und platzen wie kleine Knallkörper. Das Porzellan der Toilette glänzt dann verführerisch, und dieser Glanz wird von einem Glöckchenton untermalt.
http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/gebt-uns-unsere-karren-zurueck-1.18087622

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ROMA

Roma Industrie hat Konjunktur / The Roma Industry is Booming

Filiz Demirova im Gespräch/in conversation
12/05/13
Der Paria http://derparia.wordpress.com/

Mit welcher Unverfrorenheit Patricia Koestring (IG- Kultur Österreich) in dem Gespräch behauptet, ich hätte das Honorar von € 100,- für angemessen befunden und sie hätte das auch schriftlich, darüber ärgere ich mich jeden Tag.
Vor allem auch weil die geplante Diskussion mit Filz Demirova, Georgel Caldararu und mir einfach abgesagt wurde.
Zudem finde ich es äußerst fraglich, wenn Frau Koestring und Frau Gerbasits (IG-Kultur) Positionen die sich kritisch mit dem Projekt Romanistan auseinandersetzen zensurieren und somit jeden Diskurs verunmöglichen.

„With what audacity Patricia Koestring (IG Culture Austria) claims that I found the honorarium of 100 euros appropriate, and that she has the same in writing.
I am angry about that even now. Especially because the discussion planned with me,
Filiz Demirova and Georgel Caldararu was cancelled.
Further, I find it highly questionable that Mrs. Koestring and Mrs. Gerbasits (IG Culture) censor positions that engage critically with the Romanistan project, and make such a discourse impossible.“

The Roma Industry is Booming

00:38 text:
Teodora Tabacki in conversation with Filiz Demirova

01:03
Filiz Demirova is an author and activist.
Co-founder of the magazine Der Paria, Member of EDEWA, Exhibition organizers (The Purchasing Cooperative of Anti-Racist Resistance) Co-initiator of the protest letter
“Stop Organic Garlic Romanes”

01:46
Roma communities often do not have access to resources to apply to national or EU funds. Consequently other organizations and representatives take up the application.

02:26
extensive fundraising opportunities
Similar problems exist across Europe.
No one knows how much money exactly the EU has spent over the years on “Roma Integration”.

00:31
TT: What were your experiences, the concrete moments where you felt you were disregarded, or even industrialized?

FD: Well, I was thinking about how to talk about my experiences, and I would like to start by quoting Paulo Freire:
We can not enter the struggle as objects, in order to become later subjects.
I am a Romni, born in Berlin. I have come to terms with my biography, and want to produce something new, without reproducing clichés.

01:30
I participate in projects and respond accordingly, that is, when I find things dubious or problematic, I address them.

01:45
I consider it my right, it is legitimate, to express criticism when I find something problematic.

01:54
But, in all honesty, I have the impression that criticism is not welcome, because many people profit through the current state of affairs, through the Roma industry.

02:05
And naturally people don’t want to simply give up their positions of power, since they profit from it.

02:15
It was very difficult for me to have my critique taken seriously, and not just dismissed.

02:24
Once, for instance, in a hierarchizing way. I was inferior, because maybe I don’t have a diploma, or a bachelor’s degree, or a PhD or whatever.

02:38
The attitude was that things have to be this way, for the reason, that you don’t have the expertise, in the way in which I, as a white German, do. So I have the power and the right to say, no, I prefer the press release to be done this way, because that is what preferred in society, and this is how it should be done.

03:08
There were other instances also, like for example, my way of publicizing the event on my blog – it’s up to me to decide how I want to present it.

03:23
I have not signed a contract, stating that I’m being paid to advertise this.

03:31
But then when I am pressured and told, you have to do it in this way, because that’s the correct way, and if you do it differently, there could be bad consequences, I feel treated like a small child that has made a mistake, and who must be taught the right way.

03:49
This paternalistic attitude is quite common in anti-racism work.

03:56
This should be thematized much more frequently, this attitude.

04:05
I am marked as a Romni – and so I must be taught. These are the norms, these are the rules of this society, and this is how things work.

04:16
But: who makes these norms? And who remains unmarked? And why is the white position, the position of power never talked about.

04:29
This is my question. Why I made the Other, without the right to carry things out as I prefer. I have no power, and I can maybe express my criticisms,
but they are immediately brushed aside.

04:50
First, in general, I would like to say, that it is the norm that mostly non-critical Roma are invited to such conferences.
That is, they are marginalized and receive very little attention.

05:10
They could contribute valuable work to the Roma movement, but they are not visible, and perhaps even prefer not being in the center because

05:23
at many of these conferences discussions are superficial, and only allow for little critique, in order to maintain a certain image.

05:40
So while the EU makes these attempts for the equal treatment of Roma etc., there really isn’t an interest in changing the status quo,
or in participating in a dialogue and really listening to critical opinions.

05:57
Often people with critical opinions are not invited. Concerning Romanistan, I want to thank Teodora for inviting me, here, for this interview.

06:10
For instance, Georgel and I tried having Marika Schmiedt at the conference.
Unfortunately it didn’t work out for various reasons; for one, when we said we’d like to have Marika for the closing meeting,

06:38
this rather excuse-like argument came forth, that that wasn’t their responsibility.
For that, we would first have to go to Austria, then get in touch with these people, and so on – these bureaucratic excuses.

07:00 – 07:05:
PK: That is the case though. Sorry about interrupting.

07:05
FD: Yes. This is however my opinion and perspective, and I am critical.
I would like to finish speaking first, and then you can say something about that.

07:17
In any case I find it a bureaucratic excuse because… ideally, a wish should be taken seriously, and an actual attempt should be made to get it underway; and as supporters,
at their own initiative, and as per the concept Romanistan is based on:

07:45
the encouragement of empowerment. Which implies that Roma should be able to express their wishes, should be able to say whom they would like to invite, whose work and art they would like to engage with, and hence have at the conference.

08:10
That’s why I consider it a bureaucratic excuse.

08:21
PK: It only required a phone call, or asking what the email address was.

08:29
FD: I’d like to add something to that. It’s my opinion, and Marika Schmiedt too was extremely upset about it, the fee of 100 € which I was paid, is also much too little.

08:58
That’s the question. How valued is the work of Roma artists and activists. Do they receive the same sorts of fees that white Germans receive?

09:14
And what is the interaction with the artists and activists like? Is it respectful? Is it with an attitude which suggests people working together on an equal footing?
Or is it rather a hierarchical interaction?

09:35
PK: I’d like to say that Marika found the fee of 100 € for participating in the interview reasonable, and I have it in writing.

09:40 text display:
Patricia Köstring
IG Culture Austria

09:45
Veronika Gerhard: In your place, I wouldn’t get stuck now on this issue.
Teodora Tabacki: I don’t want to lose track of the discussion.

09:46 text:
Filiz is obviously correct.
That is not true!!!
I was very angry about the fee of 100 €.

09:58
PK: I don’t want to just leave things at that. She said she found the fee inadequate.

10:09:
TT: To that question I have to add, that 50 artists and cultural producers participated in the project, and who earned 600 € on average.

10:26
The four people who organized the project earned a little less than 6,700 € each. In my opinion, this is a dramatic difference, and really a scandal.
It’s interesting that this material discrepancy overlaps with hegemonic forms of interaction.

11:05
FD: As someone affected by Anti-Romaism, I find it very problematic that the project claims the organizers included among others Georgel Caldararu and Slavisa Markovic,
when they, as I could see, were not entirely granted their rightful say in the process, and were paid less, and had to spend their entire time struggling to put together their
cultural production. And I am quite happy to bring up these issues.

11:48
It’s a condition which we’ve faced for years. That’s why I think it’s important to talk about them.

11:59
I have brought up examples to illustrate these structures. That was my objective. These examples are relevant to many projects,
this is in fact how most Roma projects proceed.

12:18
It’s about the substance of these projects. What gets reproduced in these projects? What is new? What products emerge in the process?

12:36
For example, take the exhibition at the Saalbau here in Berlin. A politician from Neukölln, who had also initiated the Organic Garlic Romanes project in Neukölln,
an Anti-Roma project, was invited to speak at the opening.

12:59
And I think it’s important to address the political context – what is going on here right now, what do we want to do.

13:10
This was not considered at all by having this person, who had initiated such a violent project in the very district that we were in, open the exhibition.

13:26
Another example: When Hungary is the topic of discussion, and the circumstances there, the persecution and murder of Roma people,
these pogroms that are happening, are hardly discussed, there is very little substance to the discussion for me.

13:45
I am very politically active, and the questions of how we’re working, and how we’re showing this work, are extremely important to me.

Final report “Romanistan” by Teodora Tabacki

Der Paria findet es dringend notwendig den Abschlusstext über “Romanistan” von Teodora Tabacki zu veröffentlichen.

Im Mai 2013 wurde ein Reader “Romanistan ist überall. Markierungen im unwegsamen Gelände.” mit gesammelten Texten aus dem Projekt publiziert.

Der vorliegende Text wurde in dieser Form von Gabriele Gerbasits und Patricia Köstring, IG Kultur Österreich nicht akzeptiert.
Weiterlesen http://derparia.wordpress.com/

ROMANISTAN-Roma-industry

http://www.eu-infothek.com/article/roma-europa-ein-blick-aus-romanistan-auf-die-roma-strategie-2020

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unzensuriert.at hetzt gegen Roma

Bild 59

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ROMA

Romanian Mayor fined for Roma discrimination speach

“What worried a lot was the primitive way of some of our citizens, mostly gypsies, who took their gypsies habits elsewhere. I will also be disturbed to find a group like them in front of my house. We have to admit this; we have to discipline them here at home through clear politics”.

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Romanian Mayor fined for Roma discrimination speach

The mayor of Targu Mures, Romania, Mr Dorin Florea, was fined for discrimination. The fine was 4000 RON – 950 Euros.

The National Council for Combating Discrimination took action on some statements about the Roma community.

“What worried a lot was the primitive way of some of our citizens, mostly gypsies, who took their gypsies habits elsewhere. I will also be disturbed to find a group like them in front of my house. We have to admit this; we have to discipline them here at home through clear politics“.

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