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Erinnerungskultur

Jeder fünfte junge Erwachsene kennt Auschwitz nicht

Jeder fünfte junge Erwachsene kann einer Umfrage zufolge nichts mit dem Begriff Auschwitz anfangen. 21 Prozent der 18- bis 30-Jährigen weiß demzufolge nicht, dass der Name für ein Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten steht.

Dies ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des Magazins «Stern». Anders sieht es bei den über 30-Jährigen aus: Hier wissen 95 Prozent etwas mit dem Begriff anzufangen. Insgesamt kannten 90 Prozent der befragten 1002 Bundesbürger das Konzentrations- und Vernichtungslager. Etwa jeder Dritte konnte korrekt sagen, dass das Lager in Polen gebaut worden war. Knapp die Hälfte der Befragten hat noch nie eine KZ-Gedenkstätte besucht.
Am Freitag wird in Deutschland und vielen anderen Ländern des Holocausts gedacht.
Das Datum erinnert an den 27. Januar 1945, den Befreiungstag des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.

Berlin (dpa)

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ROMA

«Sie haben biometrische Pässe, die sind nicht billig»

Von Claudia Blumer

Serbische Roma haben zwischen Oktober und Dezember 2011 am meisten Asylgesuche eingereicht. Der Leiter des Bundesempfangszentrums in Basel erklärt, warum sie immer wieder in die Schweiz kommen.
Widrige Umstände: Roma-Siedlung in Belgrad. Die Serben waren die grösste Gruppe von Asylgesuchstellern in den letzten drei Monaten des Jahres 2011. Der Grund dafür sei die prekäre wirtschaftliche Situation der Asylsuchenden in ihrem Herkunftsort, sagt Beat Meiner, Leiter der schweizerischen Flüchtlingshilfe, der NZZ. Meist seien die Leute einfach nur froh, über die Wintermonate ein Dach über dem Kopf und Nahrung zu haben.
In ihrer Heimat leben die Roma bekannterweise unter widrigen Umständen, in Hüttensiedlungen ohne sanitäre Anlagen. Zudem haben in Belgrad die städtischen Behörden mehrere Roma-Siedlungen zwangsgeräumt, um Platz für Bauprojekte zu schaffen.
Asylgesuche wurden 2011 später eingereicht
Der saisonale Anstieg der Asylgesuche von Roma ist nicht neu, sondern wiederkehrend, sagt Roger Lang. Er ist Leiter des Bundesempfangszentrums in Basel, das die meisten der zurzeit in der Schweiz um Asyl suchenden serbischen Roma beherbergt. Normalerweise steige die Zahl der Asylgesuche aber bereits im Spätsommer an. Dass sie diesmal erst ab Oktober gestiegen ist, führt Lang auf die Situation in Nordafrika zurück. Die Serben hätten wohl gewartet, bis der grösste Ansturm aus den Maghrebstaaten vorüber war.
Auf die Frage, ob die Roma wirklich nur zur Überwinterung, also aus purem Überlebenswillen, in die Schweiz kämen, sagt Roger Lang: «Fast alle von ihnen haben biometrische Pässe, und die Reise in die Schweiz kostet pro Person rund 100 Euro.» Das Geld für die Reisekosten einer mehrköpfigen Familie würde die Überwinterung im Herkunftsland wohl gewährleisten, sagt Lang. Und auch der biometrische Pass, der seit Anfang 2010 die visumsfreie Einreise in die Schweiz erlaubt, sei nicht billig.
Angenehme Leute, gut informiert
Trotzdem lohne sich die Reise für die Betroffenen, sagt Roger Lang. «Ein paar Monate erhoffte Vollpension und vielleicht ein lange gewünschter Arztbesuch rechtfertigen den Aufwand.» Absichten, mehrere Jahre in der Schweiz zu bleiben und sich zu integrieren, hätten die Gesuchsteller kaum. Wie die Betroffenen das Geld für die Reise und die richtigen Pässe beschaffen, kann er nicht beantworten.
Die serbischen Roma werden in Basel als angenehme, unauffällige Leute wahrgenommen, die über ihre Rechte gut Bescheid wüssten. Trotzdem akzeptierten sie in der Regel eine erstinstanzliche mündliche Entscheideröffnung über das Nichteintreten – dies insbesondere in den Bundesempfangszentren, wie Lang sagt. «Unsere Erfahrung zeigt, dass die Akzeptanz erstinstanzlicher Entscheide in den Bundeszentren grösser ist als in den Kantonen.» Das Ziel sei deshalb die möglichst schnelle Abwicklung der Gesuche. Wird ein Nichteintretensentscheid erst rechtskräftig, funktioniere die Rückführung in die Balkanländer relativ gut. Die durchschnittliche Verfahrensdauer beträgt laut Bundesamt für Migration für Asylsuchende aus Balkanländern 67 Tage, bei den serbischen Roma liegt sie etwas darunter.
Neuer Tonfall seitens der Flüchtlingshilfe
Beat Meiner, Leiter der schweizerischen Flüchtlingshilfe, hält die Feststellung für verfehlt, dass die Gesuchsteller für eine Überwinterung in Serbien genug Geld hätten. «Diese Menschen sind mausarm. Das Reisegeld wäre in Serbien womöglich innert weniger Wochen aufgebraucht.» In der Schweiz seien diese Leute ja nicht eingesperrt, sie könnten rausgehen und beispielsweise betteln oder sonst wie Einnahmen generieren. «Wenn aus den 100 Euro Reisekosten am Ende 1000 Euro Einnahmen resultieren, ist das Geld gut investiert.»

Beat Meiner plädiert für eine Verkürzung der Asylverfahren. «Nur für wenige Wochen Winterhilfe würde sich die Investition für diese Leute kaum lohnen.» Dass der Leiter der Flüchtlingshilfe die langen Asylverfahren kritisiert, signalisiert einen neuen Tonfall seitens der Organisation. Nicht zufällig, wie Beat Meiner sagt: «Um in der Bevölkerung die Akzeptanz für den Flüchtlingsschutz aufrechtzuerhalten, müssen wir das Thema sachlich angehen. Wir dürfen bestehende Probleme nicht verniedlichen und auch nicht der politischen Rechten überlassen.» Humanitäre Organisationen und linke Parteien hätten dies in der Vergangenheit verharmlost.
«Die Relationen wahren»
Roger Lang hält den Aufruhr um die serbischen Roma für unverhältnismässig. Schliesslich seien die 1500 zurzeit in der Schweiz asylsuchenden Roma aus Serbien, Bulgarien und Rumänien nur knapp 10 Prozent aller Asylsuchenden. Maghrebiner und Eritreer sind weitaus grössere Bevölkerungsgruppen innerhalb der Asylgesuchsteller. «Wir haben alles unternommen, um die Gesuche von Roma prioritär behandeln zu können. Aber wir müssen die Relationen wahren, wir können nicht den ganzen Betrieb auf den Kopf stellen wegen der paar Hundert Asylgesuche aus Serbien, und die übrigen pendenten Gesuche, insbesondere jene der wirklich Schutzbedürftigen, liegen lassen.»
Trotz der Missstände erinnert Roger Lang daran, dass nach schweizerischem Recht jede und jeder ein Asylgesuch stellen könne, ungeachtet der Aussicht auf Erfolg. «Das unterscheidet uns von einer Bananenrepublik. Es darf keine Willkür geben.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

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ROMA

??? „Ich kann Ihnen garantieren, dass es keine Diskriminierung von Roma im Kosovo gibt.“

Staatliche Diskriminierung nein, Armut ja Stuttgarter Landtagsabgeordnete informieren sich über die Lage im Kosovo

Von Michael Brandt

Baden-Württemberg setzte die Abschiebung von Roma aus Deutschland in die junge Republik Kosovo im September aus. Ausschlaggebend war die Angst, dass Roma in der früheren jugoslawischen Provinz diskriminiert würden. Jetzt besuchte eine grün-rote Delegation die Menschen vor Ort, um sich ein Bild über die Lage zu machen.

Antworten auf die Frage, ob die drei im Kosovo ansässigen Minderheiten Roma, Ashkali und Kosovo-Ägypter in dem jungen Land diskriminiert werden, gibt es viele. Zum Beispiel die der kosovarischen Ministerin für Integration, Flora Citaku: „Ich kann Ihnen garantieren, dass es keine Diskriminierung von Roma im Kosovo gibt. Unsere Verfassung unsre Gesetze und unser politischer Willen die Diskriminierung von Minderheiten verbieten.“ Eine ganz andere Antwort ist die von Verena Knaus von Unicef. Sie räumt zwar ein, dass sich seit ihrem letzten Bericht im Sommer 2010 viel zum Besseren verändert hat, aber Diskriminierung von abgeschobenen Roma gibt es für sie noch immer:“Aus Sicht der Kinder oder der schon abgeschobenen Personen hat sich leider nicht viel positiv verändert.“ Einerseits hat die Regierung Hilfsprogramme aufgestellt und Geld zur Verfügung gestellt um Diskriminierungen zu verhindern. Auf der anderen Seite greifen die Programme nicht zwischen diesen beiden Wahrheiten suchten acht Parlamentarier aus dem baden-württembergischen Landtag einen Weg – und der führte sie zunächst dahin, wo auch die Abgeschobenen ankommen. Beim Projekt URA – auf Deutsch: Brücke – die die Rückkehrer aufnimmt, wenn sie auf dem Flughafen angekommen sind.

Es ist ein Haus in der Altstadt von Pristina. Hier gibt es zunächst ein Bett, etwas zu Essen und Ansprache für die Rückkehrer: „Unsere Büros sind nicht wirklich groß, aber unsere Arbeit findet nicht nur hier statt. Und Korad ist Jobvermittler und unser Spezialist für Existenzgründungen und das macht man eben nicht vom Schreibtisch aus.“ URA wird vom Bundesinnenministerium und mehreren Bundesländern unterstützt und Brigitte Budde ist die Chefin eines kleinen Teams von Psychologen, Sozialberatern und Arbeitsvermittlern, die sich um die Neuankömmlinge kümmern: Erstbetreuung, Sprachkurse, Hilfe beim Beschaffen einer Wohnung, von Wohnungseinrichtung oder einer Existenz. In der kosovarischen Verfassung sind die Rechte der Minderheiten verbrieft, und zu denen gehört auch, dass sie – unabhängig vom Ergebnis der Wahlen, vier Abgeordnete stellen. Drei von ihnen treffen ihre Kollegen aus Baden-Württemberg, und Danush Ademi berichtet von der sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation vor allem für die Angehörigen ihrer Völker: „Wir haben eine Arbeitslosenquote von etwa 46 Prozent, 18 Prozent unserer Bürger leben in extremer Armut und 90 Prozent von diesen 18 Prozent gehören unseren Minderheiten an.“ Staatliche Diskriminierung nein, Armut ja, soweit das erste Fazit – und dann nimmt die Diskussion unter Abgeordneten einen unerwarteten Verlauf. Eine dringende Bitte habe er noch an die Kollegen aus Deutschland, sagt Xevdet Neziraj: „Wir haben kein Interesse daran, dass Sie unsere Leute abschieben. Wir sind hier dabei, die Bedingungen für ihre Rückkehr zu schaffen, aber das ist frühestens 2020 so weit.“ Mit anderen Worten: Den Abgeordneten wäre es am liebsten, die kosovarischen Roma bleiben, wo sie sind, dann machen sie ihren Angeordneten daheim schon keine Probleme. Und darauf, dass die Abgeordneten der Minderheiten nicht gerne Problem haben, weist ihre Kollegen aus Baden-Württemberg am nächsten Tag ein Mitarbeiter des Roma Documentation Center in Pristina hin. Er legt eine Statistik vor, nach der die Herren höchstens fünf Prozent der Parlamentssitzungen besuchen. Nächster Ortstermin ist ein Romaviertel in Fush-Kosovo. Der Delegationsbus quält über einen verschlammten Schotterweg, auf der einen Seite liegt eine offene Müllhalde, links ein paar elende Hütten und dann plötzlich ein nagelneues Backsteinhäuschen, ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bunds. Und drinnen lebt ein Musterroma, der – wie er berichtet – inzwischen sogar einen Job bei der Gemeinde hat: „Ich war von 1998 bis 2004 in Deutschland, bin dann freiwillig zurückgekehrt. Als Unterstützung bei der Rückkehr habe ich eine Kuh bekommen.“ Eine Kuh, wurde den Abgeordneten erklärt, kann im Kosovo eine Existenzgrundlage sein. Wo denn die Kuh sei, fragt ein CDU-Mann Karl Zimmermann daraufhin. Verkauft, antwortet der Roma, er sei krank gewesen und musste sie verkaufen. Ein wenig misstrauisch schaut Zimmermann daraufhin auf den metergroßen Flachbildschirm, der im Wohnzimmer flimmert. Er fragt sich, ob er nicht ein Teil dieser Krankheit war. Merkwürdigkeiten gibt es reichlich im Kosovo. Ein Mitarbeiter aus dem Büro für Rückkehrer im örtlichen Rathaus kommt der Delegation hinterhergelaufen und will auch sein Anliegen noch loswerden. Wir kennen es mittlerweile schon: „Nicht zurück diese Menschen, big Problem keine Platz, kein Geld, keine Schule, rückbesitzen für zehn Jahre in Deutsch.“ In der Kleinstadt Peja schließlich trifft die Delegation auf ein weiteres Projekt, das zumindest von außen wie eine erfolgreiche Rückführung von Roma aussieht. Eine ganze Familie ist aus Deutschland zurückgekehrt, lebt jetzt im Haus des Schwagers und betreibt dort ein kleines Internetcafé. Der 17-jährige Ali, der bei Oldenburg aufgewachsen ist, erklärt jedoch rundweg, dass er bei nächster Gelegenheit wieder nach Deutschland zurückkehrt. „Deutschland war viel besser. Ich hab immer Geld gehabt, ich konnte immer machen, was ich wollte.“ Der ein oder andere Abgeordnete runzelt die Stirn. Rosig ist die Situation der Menschen hier nicht, urteilt etwa CDU-Mann Werner Raab, aber festzustellen sei auch …

„Es herrscht Sicherheit. Es wird niemand diskriminiert und verfolgt.“ 

Und die Grüne Ausschussvorsitzende Berate Böhlen erklärt, dass sich Kosovo ganz anders dargestellt habe, als sie es erwartet habe – und dann bringt sie es so auf den Punkt „Die Roma werden nicht diskriminiert, sie haben aber auch nicht wirklich eine Teilhabe an der kosovarischen Gesellschaft.“


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ROMA

„Zigeunerblut verleitet zum Lügen“ ATV Reportage, Das Geschäft mit der Liebe – Frauen aus dem Osten

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Roma müssen draußen bleiben

27. Januar 2011

„Menüs nur für Polen“ titelt Gazeta Wyborcza und berichtet über verschiedene Restaurants in der Stadt Posen, die es ablehnen, Roma zu bedienen. „Roma kommen gruppenweise, machen einen Höllenkrach und hinterlassen ein absolutes Durcheinander”, rechtfertigt sich die Besitzerin des Restaurants Cuba Libre, Klaudia Lopez. Das Verbot ist verfassungswidrig. Jedoch hat die Polizei eine formelle Beschwerde der lokalen Roma-Organisation abgewiesen. Das Innenministerium will nun Vermittler nach Posen schicken, um die Gespräche zwischen Roma und Restaurantbesitzern anzustoßen.

„Fälle von aggressivem Verhalten gegenüber Roma verzeichnet Polen täglich [geschätzte 35.000 von ihnen leben dort]. In Breslau und Lublin wurden wir aus Geschäften geschmissen. In Beuthen wurden Roma auf brutalste Weise angegriffen“, erzählt der Mitbegründer des Vereins polnischer Roma, Roman Kwiatkowski, der Tageszeitung und fügt hinzu: „Keine andere Minderheit wird in Europa so sehr diskriminiert wie die Roma. Ihre Situation gleicht so langsam derjenigen der Juden vor dem Zweiten Weltkrieg.“

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Rafaela Eulberg, Doing Gender and Doing Gypsy

Zum Verhältnis der Konstruktion von Geschlecht und Ethnie
Doing Gender and Doing Gypsy

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Sterilisation von Roma-Frauen


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Zoni Weisz über den vergessenen Holocaust der Sinti und Roma

http://www.youtube.com/watch?v=DXgr_PzW1M8

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Roma-Diskriminierung stört niemanden

Pravda – Slowakei | Donnerstag, 19. Januar 2012

Ein slowakisches Bezirksgericht hat am Mittwoch den Unterricht von Roma-Kindern in Spezialklassen verboten und als ethnische Diskriminierung bezeichnet. Das klingt gut, meint die linke Tageszeitung Pravda, aber die Mehrheitsgesellschaft wird sich niemals mit den Roma arrangieren: „Wie sehr das Utopie bleibt, zeigt das Beispiel Tschechien. Die dortige Diskriminierung ist 2007 gar vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt worden, ohne dass sich etwas geändert hätte. Wer stimmt schon zu, dass seine eigenen Kinder in ihrer Erziehung gebremst werden, weil sie mit schmutzigen, halbnackten und hungernden Roma-Mitschülern in einer Klasse sitzen müssen. … Warum erhöhen wir nicht den Druck auf die Politiker, flächendeckend Programme einzuführen, die die Möglichkeiten und die Motivation der Roma-Kinder stärken? Oder ist es gewünscht, Kinder auszugrenzen? Niemanden stört, dass auch weiterhin Menschenrechte verletzt werden. Im Falle der Roma nicht einmal dann, wenn es um deren Kinder geht.“

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für alle Gelegenheiten? Funtasma – Zigeuner-Stiefel